Patriarch Alexy II of Moscow and All Russia: The Russian Church, which has several dioceses, hundreds of parishes and millions of believers on the territory of the European Union, is taking an active part in the creation of the new face of our continent. It is the task of our Church to remind Europe of its Christian roots, to resist the attack of aggressive secularism, and to defend traditional values. An active role in the realization of this noble task is fulfilled by the Representation of the Moscow Patriarchate to the European Institutions. July 25, 2008
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Russian Orthodox Church
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Soziale und ethische Probleme der Wirtschaft im Licht der orthodoxen Traditionen

Professor E. V. Afanas'ev, Dekan der Wirtschaftsfakultät der Russischen Orthodoxen Universität, Moskau

I.

In der heutigen Zeit vollziehen sich in einer Reihe von Ländern Prozesse ökonomischer Marktveränderungen, die nach dem Niedergang der Ideologie des Kommunismus in Vielem die Aktivisierung der schöpferischen Kräfte der Bevölkerung dieser Länder fördern. Mit dem Verschwinden des ideologischen Diktats erhielten Millionen Menschen politische, wirtschaftliche und religiöse Freiheit. Zugleich sind jetzt jene Kräfte aktiver, die durch ein moralisch niedriges Niveau geschäftlicher Praktiken geleitet werden. In der ganzen Welt blühen Korruption, aggressive Konkurrenz, stolze Anmaßung des Überkonsums und der Befriedigung niedriger Instinkte. Immer öfter lockt das moderne Business die Menschheit durch Beispiele von unethischem Benehmen in den breitesten Maßstäben. Eben deshalb müssen die christlichen Konfessionen jetzt unter den Bedingungen der Globalisierung der Weltwirtschaft ihren Beitrag zur Verbesserung des moralischen Klimas der modernen Wirtschaft leisten. Die geschichtliche Erfahrung der Welt zeigt, das es ohne Kirche als soziale Institution nirgends gelang, Bedingungen für ein ehrliches Business zu schaffen, und jetzt entsteht die Notwendigkeit der Einigung der Bemühungen der gläubigen Menschen, die auf ein Entstehen solcher Bedingungen gerichtet sind. Dies kann auf Grundlage der fundamentalen Begriffe der christlichen Sittlichkeit, konfessioneller Traditionen und der Erfahrung der an Christus glaubenden Wissenschafter, Unternehmer, Geschäftsleute, Manager, Mitarbeiter und Angestellter der verschiedensten Berufe geschehen.

Hier kann man zwei Handelsrichtungen, die für die Festigung der Position des Christentums in der modernen Welt wichtig sind, hervorheben:

  • die Suche und Bestimmung der Wurzeln der orthodoxen, katholischen und protestantischen Traditionen und die Formung von allgemeinen Prinzipien einer christlichen Philosophie der wirtschaftlichen Tätigkeit,
  • die Erarbeitung von Basisprämissen für die Schaffung von ethischen Kodizes des Verhaltens von Christen in verschiedenen Sphären der Wirtschaft, vor allem in jenen, die die größte Gefahr eines Verstoßes gegen die Normen der Sittlichkeit darstellen.

Einen bedeutenden Beitrag zu diesen Handlungsstrategien kann die Russische Orthodoxe Kirche leisten.

II.

Wie bekannt, kam das Christentum vor mehr als 1000 Jahren in die Rus´ und hat, wie in anderen Ländern, die moralische Seite des menschlichen Lebens bedeutend verändert. Dabei hat die stabile Auffassung von moralischen Methoden der Wirtschaftsführung in Russland Traditionen hervorgebracht, bei deren Ausformung der orthodoxe christliche Glaube, zu dem sich jetzt die Mehrheit der Bevölkerung des Landes bekennt, einen wesentlichen Einfluss hatte.

Dennoch gerieten nach der Revolution von 1917 viele der nationalen Traditionen in Vergessenheit und erst jetzt im Zuge der wirtschaftlichen Veränderungen, die seit den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts vor sich gehen, wenden sich die heimischen Wirtschaftstreibenden und Unternehmer ihnen wieder zu.

Die Russische Orthodoxe Kirche führt nach vielen Jahren der Verfolgung ihren sozialen Dienst auf der Grundlage der Jahrhunderte alten Traditionen fort und besitzt jetzt eine allgemein kirchliche Doktrin – „Die Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“.

Vor ihren Verfassern stand die Aufgabe der Erstellung eines theologischen Basisdokuments, das unveränderliche Thesen einschloss, die man im Weiteren für die Ausarbeitung von konkreteren Empfehlungen von Seiten der Kirche an die moderne Gesellschaft verwenden konnte.

In diesem Dokument gibt es unter anderem Abschnitte, die den Arbeitsverhältnissen, den Fragen von Eigentum und den Problemen der Globalisierung der Wirtschaft gewidmet sind. Bei deren Vorbereitung richteten sich die Autoren nach den Worten der Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung, es wurden Werke christlicher Theologen und Denker verwendet, wichtige Thesen der Soziallehre der Katholischen Kirche, Werke protestantischer Theologen und Wissenschaftler.

Die unterscheidende Besonderheit der Abschnitte ist ihre Kürze und die theologische Richtung, was darin begründet ist, das sie Teil eines vielseitigen kirchlichen Dokuments mit sozialem Charakter sind. Viele Thesen der genannten Abschnitte kann man ziemlich breit interpretieren und sie mit den sozialen und ethischen Problemen der modernen Wirtschaft in Verbindung bringen.

III.

Der Analyse der Arbeitsbeziehungen ist der VI. Abschnitt der „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“ gewidmet. Hier wird darauf hingewiesen, dass die Arbeit ein organisches Element des menschlichen Lebens ist und eine schöpferische Komponente einschließt, da der Mensch kraft seiner ursprünglichen Gottebenbildlichkeit, auch Mitschöpfer und Mitarbeiter Gottes sein kann.

Dennoch, nach dem Sündenfall wurde die schöpferische Komponente der Arbeit schwächer, obwohl sie nicht ganz verschwunden ist. Die Arbeit wurde vorrangig ein Weg zur Erlangung von Mitteln zum Leben, eine leidvolle Beschwernis für den gefallenen Menschen.

Die Heilige Schrift zeigt dem Menschen nicht nur die Unumgänglichkeit der täglichen Arbeit, sondern sie schafft auch ihren Rhythmus, indem sie einen Tag der Woche zum Ausruhen hervorhebt. Seit den Zeiten der Apostel ist dieser Tag der Tag der Auferstehung Christi.

Dieser Tag muss dem Herrn geweiht sein, aber auch den Taten der Wohltätigkeit und der uneigennützigen Hilfe dem Nächsten gegenüber.

Eine solche Arbeitsauffassung ist für alle christlichen Völker charakteristisch, was ihr zusammen mit den Zeugnissen der menschlichen Geschichte eine unbestreitbare Echtheit verleiht. Dabei liegt im Bewusstsein der Leidhaftigkeit der Arbeit in keiner Weise ihre Verurteilung oder ihre moralische Ablehnung

Die Heilige Schrift spricht von zwei moralischen Grundlagen der Arbeit, - zu arbeiten, um sich selbst zu ernähren und dabei niemanden zu belasten, und zu arbeiten um den Bedürftigen zu helfen. Dieses Gebot müssen die Menschen erfüllen, ohne dass sie eine Belohnung oder ein Lob von Gott fordern, der gesagt hat, dass „...Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“ (Lk 17, 10).

Seit den frühesten Zeiten haben arbeitende Menschen das Recht die Früchte ihrer Arbeit zu verwenden, dabei müssen alle Werktätigen, auch diejenigen, die aus objektiven Gründen nicht arbeiten können, genügend Mittel für ein würdiges Dasein haben.

Die Kirche ruft die Arbeitgeber zu einer gerechten und rechtzeitigen Bezahlung der Lohnarbeit auf und lehrt, dass die Vorenthaltung des Lohns für ehrliche Arbeit nicht nur ein Verbrechen gegen den Menschen sondern auch eine Sünde vor Gott ist.

Leider sind Fälle von Nichtbezahlen durchgeführter Arbeiten, die Verringerung und Verzögerung der Auszahlungen dort weit verbreitet, wo die Interessen der Arbeiter nicht in notwendigem Maße geschützt sind. In Ländern mit einer Übergangswirtschaft und in Entwicklungsländern gibt es oft keine Gewerkschaften oder sie funktionieren nicht, und hier ist der Anteil der Bezahlung der Arbeit gemessen am Wert der Ware, die sehr arbeitsaufwändig hergestellt wurde, oft jämmerlich klein.

In den „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“ (VI. 4-5) wird unterstrichen, das vom christlichen Standpunkt aus jede Arbeit gesegnet ist, die den moralischen Normen entspricht. Dennoch entwickelte sich in vielen Ländern eine Industrie, die auf die Befriedigung von verderblichen Leidenschaften und Angewohnheiten des Menschen ausgerichtet ist, zur Propaganda des Lasters und der Sünde. Die Kirche sieht es nicht als ihre Aufgabe an, solche Arten der Arbeit zu verbieten, aber sie zeigt ihre verderbliche Wirkung auf den moralischen Zustand der Gesellschaft auf. Weder die Kirche noch die Gesellschaft noch der Staat können dem Wunsch einer Privatperson widerstehen, eine Sünde zu begehen, aber weder die Kirche noch der Staat noch die Gesellschaft sollten in irgendeiner Weise die Notwendigkeit der Begehung dieser Sünde rechtfertigen.

IV.

Die Kirche nimmt nicht die Funktion der Verteilung von materiellen und nicht materiellen Gütern auf sich. Sie bestimmt auch nicht die Eigentumsrechte für diese Güter. Dennoch, wie in den „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“ (VII. 1) gesagt wird, bleibt die materielle Seite des menschlichen Lebens nicht außerhalb des Gesichtsfeldes der Kirche.

Wenn die Kirche den Menschen aufruft vor allem „das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ (Mt 6, 33) zu suchen, so weiß sie auch um das Bedürfnis des Menschen um sein „tägliches Brot“ (Mt 6, 11), indem sie annimmt, dass jeder Mensch genügend Mittel für ein würdiges Dasein haben sollte. Damit aber warnt die Kirche die Menschen vor einer übermäßigen Hingabe an die materiellen Güter, sie verurteilt diejenigen, die durch „Sorgen, Reichtum und Genüsse des Lebens“ (Lk 8, 14) verblendet werden.

In der Position der Orthodoxen Kirche in Bezug auf die materielle Seite des menschlichen Lebens gibt es weder einen extremen Asketismus mit Verachtung der physiologischen Bedürfnisse, noch das andere Extrem, das die materiellen Bestrebungen der Menschen überbewertet und den materiellen Erfolg als Beweis für die Gotterwähltheit des einen oder anderen Menschen erachtet.

Nach der Lehre der Kirche erhalten die Menschen von Gott alle irdischen Güter, bewegliches und unbewegliches Eigentum, zur zeitlichen Verwendung und Leitung (VII. 3), dabei wird keiner der vielfältigen Formen des Eigentum der Vorzug gegeben. Der Heiland zeigt oftmals in Seinen Gleichnissen die Relativität des Rechts an Eigentum für den Menschen, - es ist dies entweder der Weinberg, der in Pacht übergeben wurde (Mk 12, 1-9), oder die Talente, die unter den Menschen verteilt wurden (Mt 25, 14-30), oder Besitz, der einem Verwalter zur zeitlichen Verwaltung übergeben wurde (Lk 16, 1-13).

Die Hauptbedingung bezüglich des Eigentumsrechtes ist die Verwendung des Besitzes in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, der in den Geboten des Evangeliums ausgedrückt wird.

Die Ablöse der sozialistischen Gesellschaftsformen und eine breite Privatisierung des Staatseigentums in Verbindung mit dem Ersatz der staatlichen Regulierung durch Wettbewerbsbeziehungen ging in vielen Ländern am Ende des XX Jahrhunderts friedlich vor sich. Und dieser Umstand wird von der Kirche als positive Erscheinung unserer Zeit betrachtet. Dennoch ging die Umwandlung des Eigentums, die von weit von der christlichen Sittlichkeit entfernten Menschen durchgeführt wurde, in Hand mit der Zerschlagung der Rechte vieler Werktätiger und der sozial nicht geschützten Gruppen der Bevölkerung. Und dieser Umstand muss die Kirche beunruhigen. Außerdem erwies sich der Gebrauch des Eigentums durch seine neuen Besitzer in den meisten Fällen als wenig effektiv, verbunden mit einer kurzzeitlichen Erzielung von Gewinn aufgrund von spekulativen Verkäufen von Besitz, einer weit verbreiteten Verzögerung der Lohnauszahlung der Arbeiter und ihrer Zwangsentlassung, was natürlich auch durch die Kirche nicht gutgeheißen werden kann.

Die Kirche kann auch die Verletzung der Rechte der Inhaber von intellektuellem Eigentum nicht billigen. Fälle von Verletzung solcher Rechte haben sich in der letzten Zeit in fast allen Ländern gehäuft.

V.

Besondere Unruhe rufen in der Kirche die Probleme im Finanzsektor der Wirtschaft hervor. Diese Probleme sind weit verbreitet und haben längst internationales Maß erreicht. Die Kirche hat den Geldumlauf niemals verurteilt. Das Geld ist nach Meinung des hl. Johannes Chrysostomos, wie alles, was von Gott erschaffen wurde, „gut“, „eine Sünde jedoch ist es, es nicht mit den Armen zu teilen und falsch zu verwenden“.

Viele Jahrhunderte war das Geld Kostenmaß, erfüllte Zahlungsfunktionen und war Sparmittel, mit der Entwicklung des internationalen Handels jedoch erfüllt es die Rolle eines universellen Äquivalents für den Warenaustausch – „des Weltvermögens“.

Die Kirche beunruhigt die Praxis der finanziellen Spekulationen, welche die Abhängigkeit der Einkünfte von der getätigten Arbeit aufhebt. Ein Beispiel für solche Spekulationen sind Finanzpyramiden, deren Zusammenbruch weitläufige Erschütterungen hervorruft.

In letzter Zeit erlangten auch Valutenspekulationen größte Verbreitung, und besonders Spekulationen mit sekundären Wertpapieren, den sog. „Derivaten“, die nicht nur die laufenden ökonomischen Prozesse im realen Sektor falsch widerspiegeln, sondern in Wahrheit ein Instrument für die Bereicherung der Finanziers sind.

Sehr oft stehen hinter solchen Operationen kein reeller Besitz und keine Geldmittel, sondern es werden nur Aufzeichnungen in elektronischen Konten gewechselt, die in großer Geschwindigkeit zwischen den Börsen ausgetauscht werden, wo die Finanzgeschäfte zwischen den Ländern abgewickelt werden. In den letzten Jahren ist das Ausmaß solcher Operationen derart gewachsen, dass sie für die Wirtschaft vieler Länder bedrohlich werden, da der realle Sektor ständig einem Druck von ihrer Seite ausgesetzt ist und jede wirtschaftliche Tätigkeit durch den Geldabfluss in diese Spekulationen gelähmt wird. Dadurch dient das Geld nicht einer materiellen Produktion und dem Konsumbereich, sondern nur dem Finanzsektor, d. h. sich selbst, es vollzieht sich der Verlust der Priorität der Arbeit und des Menschen vor dem Kapital.

Eben aufgrund der Finanzspekulationen entstand die Weltwirtschaftskrise, und sie weitet sich aus, was die Kirche sehr beunruhigt.

Man muss anmerken, dass es in der orthodoxen kirchlichen Tradition kein kanonisches Zinsverbot gibt. Dennoch hat die Kirche die Härte und Grausamkeit der Geldverleiher niemals gerechtfertigt. Im Unterschied zu den anderen Konfessionen gab es in der Orthodoxie niemals kirchliche Kredit-Finanzinstitutionen. Die Hauptkomponente der Bildung von Kircheneigentum ist die freiwillige Spende der Gläubigen. Ungeachtet ernster finanzieller Probleme und der Notwendigkeit, Mittel für den Wiederaufbau der durch die Atheisten zerstörten Kirchen zu suchen, kann die Kirche ihre Kräfte nicht für finanzielle Operationen und die damit verbundenen Prozesse der Betreuung von Geldmitteln und Wertpapieren verschwenden. Solche Prozesse sind nicht nur arbeitsaufwendig, sie sind auch mit ernsten Risken verbunden, was zu spürbaren materiellen Verlusten der Anleger und der Kunden der kirchlichen Finanzinstitutionen führen und damit der kirchlichen Autorität Schaden zufügen könnte, die zur Zeit in Russland gemäß soziologischen Umfragen die höchste unter allen sozialen Institutionen, Parteien und Bewegungen ist.

VI.

Im letzten Abschnitt der „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“ werden die internationalen Beziehungen und die Probleme der Wirtschaftsglobalisierung beleuchtet, die nach dem Zweiten Weltkrieg sehr verbreitet ist. Damals veranlasste die Verschärfung der Konkurrenz auf dem Weltmarkt die industriell entwickelten Länder, sich aktiv an der Suche nach neuen Absatzmärkten für die Industrie zu beteiligen.

Gleichzeitig wurden neue billige Rohstoff- und Arbeitsquellen erforderlich, deren Erreichbarkeit in den Ländern der Dritten Welt Grund für deren unverschämte Ausbeutung wurde.

Neue kapital- du arbeitsintensive Technologien erforderten eine weitere Konsolidierung der Arbeit und des Kapitals, was in Form von transnationalen Zusammenschlüssen seinen Niederschlag fand. In den Händen von Personen, die den ökonomischen und finanziellen Strukturen vorstehen, ist eine enorme Macht konzentriert, die von den Völkern und den Regierungen nicht kontrolliert werden kann. Mitunter wollen diese Menschen die Traditionen und religiösen Fundamente der Völker nicht beachten. Dies alles muss die Christen der gesamten Welt beunruhigen, darunter auch die Russische Orthodoxe Kirche. Sie anerkennt in ihrer Sozialdoktrin die Notwendigkeit und Natürlichkeit der Prozesse der Globalisierung der Weltwirtschaft. Diese Prozesse begünstigen in Vielem die Erhöhung der Effektivität der betrieblichen und unternehmerischen Tätigkeit, der Beschleunigung des Informations-, Waren- und Geldaustausches.

Dennoch haben die genannten Prozesse neben den positiven auch eine Reihe negativer Aspekte, die die Kirche beunruhigen. Viele positive Früchte der Globalisierung sind nur den Ländern zugänglich, in denen die geringste Anzahl der Menschen lebt. Die anderen Länder, in denen 5/6 der Weltbevölkerung leben, können die genannten Früchte nicht nützen. Sie geraten in Schuldabhängigkeit der Finanziers der wenigen Industrieländer und sind an den Rand der Weltzivilisation gedrängt. Eben deshalb stellt die Kirche die Frage nach einer allseitigen Kontrolle der Tätigkeiten der transnationalen Zusammenschlüsse und der Prozesse, die auf dem finanziellen Sektor der Wirtschaft vor sich gehen, und hier ist es unumgänglich, alle gesunden Kräfte der Weltgemeinschaft zu verwenden, die der Gier und dem Machthunger der Anbeter des „Goldenen Kalbes“ wiederstehen können.

VII.

Die Probleme der Globalisierung sind eng mit den Rohstoffproblemen unseres Planeten verbunden, die bekanntlich sehr beschränkt sind. Für die Lösung dieser Probleme wird ein Weg vorgeschlagen, der auf eine Einschränkung der Verwendung der Rohstoffe auf Kosten der Wirkung der äußeren Faktoren wie die Beschränkung der Geburtenrate der Bevölkerung, die Schaffung von Rekreationszonen und Nationalparks, die Einführung von abfalllosen Technologien und die Propaganda und Realisierung von Umweltschutz- und Tierschutzmaßnahmen hinausläuft. Es taucht die Frage der Bewertung solcher Beschränkungen von christlicher Sicht auf.

Gläubige Menschen können unserer Meinung nach die Ansichten der Malthusianer nicht teilen oder die Ideologie der „goldenen Milliarde“ unterstützen, genauso wie sie die extremen Positionen in der Bewegung der „Grünen“ nicht gutheißen können. Gleichzeitig sollte alles, was auf die Erhaltung des Leben auf der Welt gerichtet ist, die aktive Unterstützung der Christen erhalten. Aber reichen die äußeren Faktoren der Beschränkung der Ausnutzung der Weltrohstoffe aus? Natürlich nicht. Und hier sollten sich alle gläubigen Menschen ungeachtet ihrer Konfession zu Wort melden. Der Komplex der Selbstbeschränkung mit dem Ziel, moralische Vollkommenheit zu erlangen – die Askese – hat in der Orthodoxie eine eigene Interpretation erfahren und schließt folgende Besonderheiten ein:

  • Der Weg der Einigung mit Gott verletzt die persönliche Freiheit des Christen nicht, er offenbart sie in der vollsten, vollkommenen Weise. Die orthodoxe Lehre bekräftigt gerade den Synergie der göttlichen Gnade und der menschlichen Freiheit. Hier wird Synergie als Zusammenwirken der Gnade Gottes und des Willens des Menschen verstanden.
  • Die Gemeinschaft mit Gott ist keine Belohnung für Verdienste (der gerechte Schächer, die Arbeiter der 11. Stunde), sondern die Folge der Gnade Gottes.
  • Es gibt drei Stufen der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen: Sklave und Sklavenhalter (Angst vor Strafe), Lohnarbeiter und Herr (Belohnung), Sohn und Vater („Vater unser...“).
  • Die Sorge um den eigenen Nutzen wird vom Christentum nicht abgelehnt. Die Heiligen Väter meinten, dass die Sorge um sich selbst ein Ausgangspunkt für gute Taten sei, aber nicht die Selbstbehauptung und nicht dass man seinen Instinkten nachgibt.
  • Die Askese strebt nach Überwindung der Leidenschaften, nach „Vernichtung des Chaos des Fleisches“, aber nicht nach Unterdrückung Energie, die es hervorbringt. Die Stoiker haben zu Apathie aufgerufen, zur Leidenschaftslosigkeit im Kampf mit den Versuchungen, das Christentum sieht eine Umorientierung des von Natur aus leidenschaftlichen

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