Patriarch Alexy II of Moscow and All Russia: The Russian Church, which has several dioceses, hundreds of parishes and millions of believers on the territory of the European Union, is taking an active part in the creation of the new face of our continent. It is the task of our Church to remind Europe of its Christian roots, to resist the attack of aggressive secularism, and to defend traditional values. An active role in the realization of this noble task is fulfilled by the Representation of the Moscow Patriarchate to the European Institutions. July 25, 2008
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Krieg und Frieden in den „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“

Prof. A. Osipov

Die Menschheit sucht im Laufe ihrer ganzen Geschichte den Frieden, aber der Krieg bleibt leider trotzdem eines der unausrottbarsten Probleme, das heute ebenso schwer zu lösen ist wie vor 1000 Jahren. Der Grund dafür liegt darin, dass der Krieg für den durch den Sündenfall verdorbenen Menschen gleichsam ein natürlicher Ausdruck seines inneren Zustandes geblieben ist. Daher haben die Grundlagen der Sozialkonzeption dieser Frage eine so ernsthafte Aufmerksamkeit geschenkt. Im ersten Paragraph dieses Dokuments heißt es: „Die im Hochmut und in der Auflehnung gegen den Willen Gottes wurzelnden Kriege auf Erden sind nur eine Widerspiegelung des Kampfes im Himmel. Durch die Sünde verdorben wurde der Mensch in die Elementargewalt dieses Kampfes hineingezogen. Der Krieg ist Böses. Der Grund des Krieges, wie überhaupt des Bösen im Menschen, liegt im sündhaften Missbrauch der gottgegebenen Freiheit“ (VIII,1). Tatsächlich, im Ursprung der Menschheitsgeschichte selbst liegt der Brudermord. Und gleichzeitig mit dem wissenschaftlich-technischen und sozialen Fortschritt entwickeln sich die Mittel der Kriegsführung weiter, und die Kriege selbst werden immer blutiger und grausamer. E. Fromm hat treffend geschrieben: „Die Geschichte der Menschheit ist mit Blut geschrieben. Es ist die Geschichte nie endender Gewalt“

Das Babylonische Reich

Nichtsdestoweniger war der menschliche Geist trotz der ständigen Misserfolge stets von der Hoffnung auf die Errichtung eines dauerhaften und endgültigen Friedens auf Erden erfüllt. Soziale und kulturelle Revolutionen, Änderungen des politischen Systems, Eroberungskriege mit dem Ziel der Schaffung von Großreichen usw. – all das sind zahllose Versuche der Verwirklichung dieses Traums. Der Grundgedanke jedoch, der sich durch alle Epochen des Lebens der Menschheit zieht, ist die Idee der Schaffung eines einzigen Weltstaates, der mit niemandem Krieg führen müsste, und auf diese Weise würde der erhoffte Friede auf Erden anbrechen.

Diese Variante besticht durch ihre Logik, und in der Weltgeschichte gab es nicht wenige Versuche ihrer Verwirklichung. Die Idee eines einzigen globalen Staates dringt mit immer größerer Kraft ins Bewusstsein und auch ins reale Leben der heutigen Welt und nähert sich – nach allen Anzeichen zu schließen – ihrer Verwirklichung. Der Globalismus befindet sich auf dem Gebiet der Information und Propaganda, der Finanzen und Ökonomie, des Militärwesens und in vielen anderen Lebensbereichen bereits im Stadium seiner Gestaltwerdung. Gleichzeitig ist es nicht schwierig zu sehen, zu welchem Ziel er strebt, mit welchen Mitteln er bereit ist, seine Ziele zu erreichen, und was er den Völkern der Welt tatsächlich bringt. Einer der hervorragendsten russischen Denker des 20. Jahrhunderts I.A. Il'in schrieb noch in der Mitte des Jahrhunderts: „Noch nie traten die negativen Kräfte des menschlichen Wesens mit einer solchen Dreistheit, so selbstsicher und mit einem solchen Selbstbewusstsein auf; noch nie haben sie so herausfordernde Versuche unternommen, die Macht über die Welt an sich zu reißen; noch nie hat der Mensch über derartige technische Möglichkeiten verfügt; noch nie hat er so zerstörerische Mittel beherrscht.... In der Welt zeichnet sich ein Umbruch ab, vielleicht ist er schon im Gange. Das frühere Gleichgewicht ist verloren.“ Il'in hat Recht. Dieser Umbruch vollzieht sich jetzt deutlich. Eigentlich erfolgt der Aufbau eines weltweiten Babylonischen Reiches, das in der christlichen Offenbarung vorhergesagt wird. Das Erstaunlichste dabei ist, dass die Erreichung des Friedens auf diesem Weg – und ein anderer Weg ist nicht mehr zu sehen – von der Offenbarung als Zeichen des endgültigen Unterganges der Welt betrachtet wird: „Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit!, kommt plötzlich Verderben über sie wie die Wehen über eine schwangere Frau, und es gibt kein Entrinnen“ (1 Thess 5,3). Der Grund eines solchen Endes ist ein geistlicher. In den GSK wird er äußerst klar ausgedrückt: „Es ist unmöglich, dem Wohl des ... Volkes mit Hilfe unmoralischer Mittel zu dienen“ (VIII,3).

Gerechter Krieg

Aber im jetzigen Moment bleibt die Realität der Kriege und – folglich – die beunruhigende Frage ihrer moralischen Beurteilung in Kraft. Ist eine solche Beurteilung in Bezug auf einen konkreten Krieg möglich? Die Antwort auf diese Frage ist nur unter der Bedingung der Lösung des zugrunde liegenden Problems möglich – ob Tötung immer ein moralisches Übel ist. Der Tod als solcher ist ja kein solches. Und getötet zu werden – wie auf Grund einer Krankheit zu sterben – ist kein moralisches Übel, keine Sünde. Vladimir Solov'ev antwortet treffend auf die gestellte Frage: „Bei der Tötung besteht das Übel nicht im physischen Faktum des Verlustes des Lebens, sondern im moralischen Grund dieses Faktums – dem bösen Willen des Tötenden.“ Daher kann nur eine solche Tötung als Sünde und Verbrechen bezeichnet werden, die aus Bosheit, Hass u.ä. vollbracht wird. Wenn aber derartige Motive fehlen, muss eine Tötung anders qualifiziert werden.

Zur Illustration dieses Gedankens kann man folgende interessante Episode aus den „Drei Gesprächen“ V.S. Solov'evs anführen. Dort erzählt ein General folgenden Fall: „Während der Kaukasus-Kampagne, als wegen Armenien mit den Türken Krieg geführt wurde, rückten wir hinter dem Gegner langsam vor, und eines Tages lag vor uns ein riesiges armenisches Dorf. Wir erblickten dort ein entsetzliches Bild: ein völlig niedergebranntes Dorf, Wagen, an die Armenier angebunden waren, die nicht mehr rechtzeitig geflohen waren, und unter den Wagen entfachte Feuer – so hatte man sie sadistisch getötet. Aber ein Bild entsetzte alle zutiefst. An der Wagenachse war rücklings eine junge Frau so angebunden, dass sie niemals den Kopf wenden konnte. Sie war tot, an ihr waren aber keine Anzeichen von Wunden oder Gewalt zu sehen, nur das Gesicht war entstellt. Was war geschehen? Direkt vor ihr stand eine Stange, an die ein nackter Säugling angebunden war, offensichtlich ihr Sohn, ganz gerötet und mit vor Schmerz herausgequollenen Augen, bei der Stange lag ein Gitter mit erloschenen Kohlen. Es war klar, was diese Unmenschen getan hatten.

Plötzlich kroch zu uns ein Armenier aus einem trockenen Brunnen. Er schrie, dass die Türken in das nächste Dorf gegangen seien. ‚Wie viele sind es?' – fragte ich. ‚Vierzigtausend. Und wir hatten nur 500 Mann und sechs Geschütze. Beim Anblick dieser Frau mit dem Säugling ergriff uns eine solche Wut, dass wir – ohne zu überlegen – schnell aufbrachen, nachdem wir uns nach dem kürzesten Weg zu diesem Dorf erkundigt hatten.

Es ergab sich, dass unsere Truppe genau zu der Zeit einlangte, als die Türken (es waren wohl etwa viertausend) in die armenische Siedlung eindrangen. Da sprang eine kleine Kosakeneinheit auf sie los, aber unser Hauptteil blieb im Hinterhalt Als die Türken die Kosaken bemerkten, jagten sie ihnen blindlings nach. Wir aber rückten ihnen nach und eröffneten aus unmittelbarer Nähe das Kartätschenfeuer auf die Andersgläubigen und konnten auf sie zwei Salven abfeuern. Wären die Türken tapferer gewesen und hätten den Angriff fortgesetzt, wäre es uns allen nicht gut ergangen. Aber sie erschraken und stürmten zurück. Da feuerten wir auf sie noch eine Kartätschensalve ab und stürzten uns dann alle auf sie. Die Türken flohen in Panik, ließen die Waffen zurück, baten um Gnade, wir aber erschlugen alle und ließen niemanden am Leben. Und jetzt, meine Herren, - fuhr der General fort, - sage ich Ihnen: Ich bin ein sündiger Mensch, ich habe keine guten Werke getan, aber diese Tat erachte ich bis jetzt als einzige heilige, wirklich gute Tat meines Lebens.“

Wie wir sehen, können Tötungen aus verschiedenen Gründen erfolgen, und dementsprechend müssen auch Kriege moralisch unterschiedlich beurteilt werden. Die GSK weisen auf einige äußere Unterscheidungsmerkmale eines gerechten Krieges hin:

„Ein greifbares Merkmal, anhand dessen über Billigkeit oder Unbilligkeit des Vorgehens einer kämpfenden Truppe geurteilt werden kann, sind die Methoden der Kriegsführung, ferner das Verhalten gegenüber Gefangenen und der friedlichen Bevölkerung des gegnerischen Staates, insbesondere Frauen, Kindern und alten Menschen. Selbst bei der Abwehr eines Angriffes kann man gleichzeitig jedwedes Böse tun, so dass man in moralischer Hinsicht keineswegs über dem Angreifer steht“ (VIII,3) .

Es ist jedoch keine leichte Aufgabe, einen Krieg richtig zu beurteilen, und besonders kompliziert ist sie in unserer Zeit. Die GSK erklären in diesem Zusammenhang: „ Im gegenwärtigen System der internationalen Beziehungen fällt es unter Umständen schwer, die Unterscheidung zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg zu treffen... Dies berücksichtigend muss die Frage nach der Unterstützung militärischer Handlungen seitens der Kirche für jeden einzelnen Fall entschieden werden, in dem solche bereits begonnen haben bzw. zu beginnen drohen“ (VIII,3).

Das Kriterium von Gut und Böse

Die GSK schlagen ein spezifisches zweistufiges Kriterium für die Beurteilung eines gerechten Krieges vor. Die erste Stufe ist die Abwesenheit von Hass gegenüber dem Gegner, was jedoch ganz und gar nicht das Fehlen eines gerechten Zornes bedeuten kann, den ja sogar unser Erlöser Christus selbst hatte. Die GSK unterstreichen: „Der Krieg muss mit gerechtem Zorn, niemals mit Bosheit, Habsucht und Begierde (1 Joh 2,16) und anderen Ausgeburten der Hölle geführt werden“ (VIII,3). Daher „verbietet trotz der Erkenntnis des Krieges als Böses die Kirche ihren Kindern nicht, sich an Kampfhandlungen zu beteiligen, solange ihr Zweck die Verteidigung der Nächsten sowie die Wiederherstellung verletzter Gerechtigkeit ist. In solchen Fällen gilt der Krieg als unerwünschtes, allerdings unumgängliches Mittel. Die Haltung der Orthodoxie gegenüber Kriegern, die um den Preis des eigenen Lebens das Leben sowie die Sicherheit ihrer Nächsten schützten , war zu allen Zeiten von höchster Hochachtung geprägt. Viele Krieger wurden von der Kirche heiliggesprochen“ (VIII,2).

Die angeführte Erzählung V. Solov'evs illustriert das anschaulich. Als der General mit seiner Truppe von 500 Mann die 40000 Mann umfassende Einheit (so war er überzeugt) angriff, ging er in den drohenden Tod. Er vollbrachte damit eine echte Opfertat der Liebe und erfüllte das Gebot: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt (Joh 15,13).

Die zweite Stufe ist die Anwesenheit von Liebe , die sich in drei Grundprinzipien ausdrückt: „Liebe zum Nächsten, zum Volk und zum Vaterland, Verständnis der Nöte fremder Völker, Überzeugung davon, dass es unmöglich ist, dem Wohl des eigenen Volkes mit Hilfe unmoralischer Mittel zu dienen“ (VIII,3). Wahre Liebe ist natürlich eine hohe Entwicklungsstufe der Person, aber sogar bei einem gewöhnlichen Menschen entzündet sie sich angesichts von Gewalt und Grausamkeit durch den gerechten Zorn. Der General (bei Solov'ev) sagte ehrlich über sich, dass er kein heiliger Mensch sei, aber als er den entsetzlichen Sadismus sah, ergriff der heilige Zorn der Liebe seine Seele. Warum ist dieser Zorn heilig? Deshalb weil nicht Bosheit, sondern Gerechtigkeit die treibende Kraft seiner Taten war; deshalb weil sowohl er als auch seine Soldaten Verteidiger und nicht Usurpatoren waren; und deshalb weil sie uneigennützig im Namen der Liebe zu den Opfern der Gewalt ihr Leben hingegeben haben.

Diese Sicht, die in den zwischenmenschlichen Beziehungen den Primat der Liebe konstatiert, „verwirft ebenso entschieden die Idee des Verzichts auf gewaltsamen Widerstand gegen das Böse“ (VIII,4), wie sie z. Bsp. Leo Tolstoj gepredigt hat. „Das christliche sittliche Gesetz verurteilt nicht den Kampf gegen das Böse, nicht die Anwendung von Gewalt gegenüber dessen Träger, nicht einmal das Opfer dessen Lebens als letzte Notmaßnahme, sondern das Böse im menschlichen Herzen, den Wunsch nach Demütigung und Tod eines anderen Menschen, wer auch immer er sei“ (VIII,4).

Die Grundlage des Friedens

Frieden kann man aus verschiedenen Gründen wünschen und daher ist seine christliche Beurteilung nicht immer eindeutig.

Ein Heide dürstet nach Frieden in der Hoffnung, dass ihm der Friede „panem et circenses“ in Überfülle, alle nur möglichen Ergötzungen und Unterhaltung gebe. Es besteht kein Zweifel, dass der Friede aus eben diesem Grund auch von den Menschen vor der Sintflut und von den verdorbenen Bewohnern von Sodoma erwünscht wurde. Friede und Sicherheit können auch als eine der großen Errungenschaften des totalitär-despotischen globalen Regimes des Antichristen verkündet werden. Aber welch furchtbare Worte sagt Gott von diesen „Götzendienern der Welt“: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er auch Fleisch ist. Der Herr sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war... (Gen 6,3.5).

Von ganz anderen Motiven aus beurteilt die Kirche den Frieden, indem sie die Gläubigen stets an die Worte Christi erinnert: Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden (Mt 5,9).

Erstens ist die Stiftung von Frieden eines der wirksamen Mittel der Erfüllung des Gebotes Christi von der Liebe zu allen Menschen (Mt 5,44-48);

zweitens ist der irdische Friede für den Christen nicht um seiner selbst willen wertvoll, sondern als Bedingung, unter der die objektiven Voraussetzungen für die Entstehung und Äußerungen der extremen Formen des Bösen – in Hinsicht auf den Krieg – vermindert werden;

drittens ist der Friede die günstigste Atmosphäre für ein richtiges geistliches Leben und die Erlangung jenes inneren Friedens, der nach dem Wort des Apostels Paulus alles Verstehen übersteigt (Phil 4,7) (VIII,5).

Im letzten Fall handelt es sich um eine sehr wichtige Komponente der christlichen Friedenslehre. Christus spricht: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht (Joh 14,27). Friede – ειρηνη – bedeutet in diesem Zusammenhang den gnadenhaften Frieden der Seele, die von den Leidenschaften der Sünde geheilt ist.

Offensichtlich kann der bestehende Friede Christi mit niemandem kämpfen. Mit anderen Worten, der Friede der Gnade ist nicht nur eine Bedingung und ein Zeichen des Heils des einzelnen Menschen, sondern zeugt natürlich auch Frieden unter den Menschen. „Friede - als eine den Menschen innerlich verwandelnde Gabe Gottes – soll auch nach außen hin sichtbar werden“ (VIII,5), da „der Friede des Menschen mit Gott, mit sich selbst und mit den anderen Menschen untrennbar miteinander verbunden ist“ (VIII,5). Wenn daher die Kirche zum Frieden Christi aufruft, ruft sie zur Ausmerzung des Hauptgrundes aller menschlichen Perversionen auf – der Begierde des Fleisches, der Begierde der Augen und des Prahlens mit dem Besitz (1 Joh 2,16) – und indem sie den Menschen innerlich verwandelt, schafft sie eine feste Grundlage für den Frieden oder – als allerletzte Maßnahme – für einen gerechten und heiligen Krieg. Denn „einzig der Sieg über das Böse in seiner Seele befähigt den Menschen, Gewalt auf eine gerechte Weise zu üben...“ (VIII,4).

Bei der Behandlung des Problems von Krieg und Frieden schlagen die GSK also keine weitere politische Lösungsvariante vor, sondern jenes geistlich-moralische Fundament, auf dem die Errichtung einer geistlich gesunden menschlichen Gesellschaft allein möglich ist und ohne das kein einziges politisches Modell der Menschheit das ersehnte Glück bringen kann. Die Sozialkonzeption betont mit aller Entschiedenheit, dass es keinen beständigen und guten Frieden auf Erden geben kann, wenn in der Seele der Menschen kein bewusster Kampf gegen die Tyrannei der Leidenschaften geführt wird. Unsere Leidenschaften sind die Wurzel und Quelle aller irdischen Übel. Alle übrigen Gründe sind sekundär. „... für die gnadenreiche Gabe des Friedens sind auch die Bemühungen der Menschen erforderlich. Die Gaben des Heiligen Geistes erscheinen nur dort, wo das menschliche Herz sich öffnet und sich in Reue nach der Wahrheit Gottes sehnt. Das Geschenk des Friedens offenbart sich, wenn die Christen nach dessen Erlangung streben“ (VIII,5). Friede und Schwert sind in der Seele des Menschen eingeschlossen, nur in ihr liegt der Schlüssel zur Lösung dieses ewigen Problems der Menschheit, „angesichts dessen wird die Friedensschaffung – die geistliche und soziale – zu einer Aufgabe der Kirche Christi“ (VIII,5).

Dabei „strebt die Russische Orthodoxe Kirche danach, ihren Dienst am Frieden sowohl im nationalen also auch im internationalen Rahmen zu verwirklichen, indem sie sich um die Lösung der verschiedenen Widersprüche sowie um die Schaffung der Harmonie unter den Völkern, den ethnischen Gruppen, den Regierungen sowie den politischen Kräften bemüht. Zu diesem Zweck richtet sie ihr Wort an die Machthaber und an die anderen einflussreichen Kräfte der Gesellschaft und unternimmt Anstrengungen, Verhandlungen zwischen einander bekämpfenden Seiten zu organisieren sowie den Notleidenden Hilfe zu leisten. Die Kirche widersetzt sich der Kriegs- und Gewaltpropaganda und den verschiedenen Erscheinungsformen des Hasses, der in der Lage ist, brudermordende Konflikte zu provozieren“ (VIII,5).

Übersetzung aus dem Russischen: DDr. Johann Krammer

(Deutsche Zitate aus den „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“ wurden weitgehend – manchmal mit leichten Abänderungen - aus folgendem Werk übernommen:

Die Grundlagen der Sozialdoktrin der Russisch-Orthodoxen Kirche. Deutsche Übersetzung mit Einführung und Kommentar. Herausgegeben von Josef Thesing und Rudolf Uertz. Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Sankt Augustin 2001)


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