Auf Deutsch:
Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad: Vorlesung bei der Tagung über die Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche
Empfang in der Russische orthodoxe Kathedrale zum Hl. Nikolaus in Wien
In English:
Archbishop Christodoulos of Athens and All Greece: Address to the Eurodeputies
Bishop Hilarion of Vienna and Austria: Is the Conflict of Civilizations Unavoidable?
En français:
Patriarche Alexis de Moscou et de toute la Russie: Message au pape Jean-Paul II à l'occasion des 25 ans de son pontificat
Vladimir Poutine: Je dois respecter la position de l'Eglise orthodoxe russe
Vorlesung des Metropoliten Kyrill von Smolensk und Kaliningrad bei der Tagung über die Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche (Wien, Österreich, 10.9.03)
Die Jubiläums-Bischofssynode der Russischen Orthodoxen Kirche, die im Jahre 2000 stattgefunden hat, verabschiedete eine große Zahl von wichtigen Beschlüssen und Dokumenten, wie es nie zuvor in den letzten Jahrzehnten der Fall war. Unter ihnen nehmen die durch die Synode einstimmig beschlossenen „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“ eine besondere Stellung ein. Dieses Dokument kodifiziert die orthodoxe Sicht auf eine Fülle von Aspekten der gegenseitigen Beziehungen von Kirche, Staat und Gesellschaft, aber auch auf brennende Probleme der Gegenwart.
Seit Beginn der 80er Jahre wuchs in unserer Kirche das Bedürfnis, den Sinn des zurückgelegten historischen Weges zu ergründen und eine Strategie für die kirchliche Tätigkeit für die nächste Zukunft zu entwerfen. Außerdem hatten sich viele Fragen angehäuft, auf die keine klare kirchliche Antwort gegeben worden war, und auch hätten nicht alle in der Vergangenheit geeigneten Antworten auf heute angewendet werden können. Es war eine echte pastorale Notwendigkeit entstanden, für den Menschen der Gegenwart eine rechte Orientierung im gesellschaftlichen und persönlichen Leben aufzuzeigen. Eine derartige Arbeit konnte nur auf Grundlage einer seriösen Beurteilung der historischen Erfahrung, der daraus gewonnenen Einsichten und einer Standortbestimmung der Kirche hinsichtlich ihrer Beziehung zu den neuen Realitäten durchgeführt werden.
Im 20. Jahrhundert durchlebte die Russische Orthodoxe Kirche eine bisher beispiellose Etappe ihrer Geschichte. Nach einer fast 1000jährigen Unterstützung von Seiten des Staates und der Gesellschaft wurde unsere Kirche im Jahre 1917 mit offener Feindschaft und einer aggressiven, auf die Ausmerzung der Religion zielenden staatlichen Politik konfrontiert. Diese Ereignisse stellten die akute Frage nach der Beziehung der Russischen Kirche zu den verschiedenen politischen Systemen und Ideologien. Hatte es doch die Russische Kirche bis zur Februarrevolution einzig und allein mit der Staatsform einer Monarchie zu tun gehabt, welche die Orthodoxie zum Fundament der Sozialordnung gemacht hatte.
Die besten Geister des damaligen Russland, unter ihnen auch viele Bischöfe, Seelsorger und Theologen, verstanden, dass die Kirche eine gewisse Last der sittlichen Verantwortung für die ausgebrochene Katastrophe trug. Die revolutionären Ereignisse beschleunigten die Erarbeitung eines umfassenden Planes für die Gesundung des kirchlichen Lebens, der auf dem Allrussischen Landeskonzil 1917-1918 erörtert wurde. Aber den Konzilsbeschlüssen war es auf Grund der einsetzenden bolschewistischen Verfolgungen nicht beschieden, zur Gänze umgesetzt und entwickelt zu werden. Unter diesen nicht einfachen Bedingungen versuchte das kirchliche Bewusstsein intensiv, seine Beziehung zur neuen Macht und ihrer Tätigkeit zu klären. Die ersten Schritte in dieser Richtung unternahm noch der heilige Patriarch Tichon (Belavin), der sich in seinen letzten Lebensjahren bemühte, der Kirche im sowjetischen Staat eine legale Stellung zu gewährleisten. Dieses Unterfangen setzte Metropolit, später Patriarch Sergij (Stragorodskij) fort.
Einige Menschen verstehen bis heute das Verhalten der Kirche in der sowjetischen Zeit nicht richtig, indem sie es als Versöhnung mit dem offiziellen Atheismus, ja sogar als Komplizenschaft mit ihm betrachten. Ja, die sowjetische Regierung verlangte wie jedes andere Regime Loyalität gegenüber ihrem politischen System, d.h. den Verzicht auf jedwede Tätigkeit, die ihren Sturz zum Ziel hatte. Und in diesem Sinn eben anerkannte die Kirche die Sowjetmacht, und in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges rief sie ihre Töchter und Söhne zur Verteidigung des Vaterlandes und zum Kampf gegen den Nazismus auf. Dabei war beiden Seiten die Unvereinbarkeit der totalitär-kommunistischen Ideologie und des orthodoxen Glaubens offensichtlich. Eben aus diesem Grunde war es der Kirche verboten, die Mauern des Gotteshauses zu verlassen und auf dem Gebiet der Bildung, Wohltätigkeit, eines weiten Verlagswesens und in der Öffentlichkeit überhaupt aktiv zu sein. Einem aufmerksamen Erforscher der Sowjetzeit in der Geschichte der Russischen Kirche werden Fakten nicht verborgen bleiben, die davon Zeugnis ablegen, dass unsere Bischöfe und Seelsorger sich mit allen Kräften bemühten, das Zeugnis der Kirche in der sowjetischen Gesellschaft zu erhalten und auszuweiten. So haben sie Kirchen und Klöster bei Schließungsversuchen verteidigt, wie das der Metropolit von Tallin und Estland, der heutige Patriarch von Moskau und der ganzen Rus' Seine Heiligkeit Aleksij (Rüdiger) gemacht hat. Oder sie haben die internationalen Kontakte der Kirche ausgedehnt und ihr somit die Unterstützung der Weltöffentlichkeit gewährleistet, wie das der Metropolit von Leningrad und Novgorod Nikodim (Rotov) gemacht hat. Mehr noch, die Kirche hat ihre Unversöhnlichkeit mit der Ideologie des Atheismus durch eine Schar von Märtyrern und Bekennern bezeugt, die trotz Nötigung und physischer Gewalt sich von Christus nicht lossagten und Kirchen und Heiligtümer nicht der Entehrung anheim geben wollten. Ich meine, nicht zufällig wurden die „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russchen Orthodoxen Kirche“ eben auf jener Jubiläumssynode beschlossen, die auch mehr als 1000 russische Neumärtyrer und Bekenner kanonisierte. Ihr Zeugnis hat in diesem Dokument seinen Niederschlag gefunden.
Am Ende der 80er Jahre trat unsere Kirche in eine neue Etappe ihrer Geschichte. Es taten sich vor ihr wiederum große Möglichkeiten zur Mission und zum Dienst unter den Menschen der Länder der GUS und des Baltikums auf. Aber die Kirche kehrte jetzt nicht in dieselbe Gesellschaft zurück, aus der sie nach der Revolution herausgerissen worden war. Die Psychologie der Menschen hatte sich verändert, verändert waren die gesellschaftlichen Werte und die äußere Umwelt, in der die stürmische Entwicklung der neuen Technologien ihren Niederschlag gefunden hatte. All das erforderte auch ein neues Wort. Denn in der vorrevolutionären Literatur und umso mehr in den Werken der Heiligen Väter war nichts zu finden z. Bsp. über die ökonomische Globalisierung, über „humanitäre Intervention“, über Klonen oder Geschlechtsumwandlung. Die Kirche stand real vor der Aufgabe, dem orthodoxen Christen eine Antwort zu geben, wie man in der heutigen widersprüchlichen und dynamisch sich verändernden Welt ein solcher bleiben kann.
Mit der Zunahme der Fragen, welche die verschiedenen Seiten des Lebens des heutigen Menschen betreffen, wuchs jedoch auch die Zahl der Antworten. Viele Priester und Laien ließen mitunter einander widersprechende Äußerungen und Handlungen zu.
Gleichzeitig existierte eine große Zahl von Erklärungen der Bischofssynoden, des Hochheiligen Patriarchen und des Heiligen Synods, die verschiedene gesellschaftlich bedeutsame Themen betrafen, wie die Beziehungen zwischen Kirche und Staat, Konfliktsituationen in Russland und in der Welt, ökonomische und soziale Probleme, die Haltung zum Krieg und zum Wehrdienst, verschiedene Aspekte der Bioethik, die Entwicklung eines nationalen Rechts, globale Administration usw. Besonders viele solcher Erklärungen erfolgten am Ende der 80er Jahre und in den 90er Jahren. Die Position des Moskauer Patriarchats angesichts der gesellschaftlichen Fragen war jedoch in Dutzenden von Dokumenten verstreut, von denen viele keine breite Bekanntheit erlangt hatten.
Mit einem Wort, unsere Kirche war mit der Notwendigkeit der Kodifizierung oder Erarbeitung ihrer Position hinsichtlich vieler aktueller Fragen konfrontiert. Dazu musste die richtige Methode für die Formulierung der kirchlichen Lehre ausgewählt werden, die sich auf die Heilige Schrift und die Heilige Tradition der Orthodoxen Kirche unter Berücksichtigung der russischen theologischen Tradition stützte.
Von allem Anfang an war es klar, dass ein derart wichtiges Dokument nur durch das konziliare Denken der Kirche beschlossen werden konnte. Daher begann die Ausarbeitung des Textes der „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“ mit dem Beschluss der Bischofssynode des Jahres 1994 über die Schaffung einer entsprechenden Arbeitsgruppe, die in der Folge aus Bischöfen, Klerikern, Dozenten der kirchlichen Bildungsanstalten und Mitarbeitern der Synodalen Abteilungen bestand. Nach der Fertigstellung des Entwurfes und seiner Erörterung mit Vertretern verschiedener kirchlicher, staatlicher und gesellschaftlicher Institutionen wurde der Text der Grundlagen der Sozialkonzeption auf der Jubiläums-Bischofsynode approbiert.
Die „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“ sind ein umfangreiches und umfassendes Dokument, das Duzende von Themen behandelt. Dazu genügt es bereits, seine Abschnitte aufzuzählen: „Theologische Grundpositionen“, „Kirche und Nation“, „Kirche und Staat“, „Christliche Ethik und weltliches Recht“, „Kirche und Politik“, „Die Arbeit und ihre Früchte“, „Eigentum“, „Krieg und Frieden“, „Verbrechen, Sühne, Wiedergutmachung“, „Fragen der persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Sittlichkeit“, „Die Gesundheit der Person und des Volkes“, „Fragen der Bioethik“, „Die Kirche und Fragen der Ökologie“, „Weltliche Wissenschaft, Kultur und Bildung“, „Die Kirche und die weltlichen Massenmedien“ und „Internationale Beziehungen. Probleme der Globalisierung und des Säkularismus“.
In vielen Fällen formuliert das Dokument konkrete Regeln für den Episkopat, den Klerus und die Laien – z. Bsp. bezüglich der pastoralen Praxis bei Scheidungen und Abtreibungen, der Mechanismen der gegenseitigen Beziehungen mit verschiedenen Ebenen und Branchen der Staatsmacht und konkreter Verfahrensweisen der Konfliktlösung mit der Staatsmacht und mit Masseninformationsmitteln, darunter auch durch die Vertretung der Interessen der Kirche vor Gericht.
Im Rahmen der heutigen Vorlesung ist es unmöglich, alle Aussagen des Dokuments auch nur kurz darzulegen. Wir werden jedoch versuchen, unser Augenmerk auf einige ausgewählte Stellen zu richten, die für die westlichen Christen nicht uninteressant erscheinen.
Nicht wenige Diskussionen lösen die Probleme der Beziehungen zwischen Kirche, Person und Staat aus. Im Abschnitt „Kirche und Staat“ heißt es: „Als unerlässlicher Bestandteil des Lebens in der gefallenen Welt, in der Person und Gesellschaft des Schutzes gegen die gefährlichen Erscheinungsformen der Sünde bedürfen, ist der Staat von Gott gesegnet.... Die Heilige Schrift ruft die Machthabenden auf, die staatliche Gewalt zur Abwehr des Bösen und zur Unterstützung des Guten zu gebrauchen, worin der moralische Sinn der Existenz des Staates gesehen wird (Röm 13,3-4).“
Die Kirche schreibt ihren Kindern vor, sich der staatlichen Gewalt unabhängig von den Überzeugungen und der Konfession ihrer Träger nicht bloß unterzuordnen, sondern auch für sie zu beten, „damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können“ (1 Tim 2,2). Dabei ist es aber auch sehr wichtig, die Grenzen der Kompetenz der staatlichen Gewalt festzulegen, daher ist im Dokument geschrieben: „Gleichzeitig dürfen die Christen die Staatsgewalt jedoch nicht verabsolutieren und die Grenzen ihres rein irdischen, zeitlichen und vergänglichen Sinns ignorieren, der durch das Vorhandensein der Sünde in der Welt und die Notwendigkeit, ihr Einhalt zu gebieten, bedingt ist.“ Der Staat darf sich selbst keinesfalls in eine sich selbst genügende Institution verwandeln. Wir wissen, dass es in der Geschichte nicht nur einmal eine solche Tendenz gegeben hat, wir wissen auch, zu welch gefährlichen Folgen sie führen kann.
Wir anerkennen das Prinzip der gegenseitigen Nichteinmischung der Kirche und des Staates in die Angelegenheiten des jeweils anderen, aber wir können mit einem Verständnis des weltlichen Charakters der Staates nicht einverstanden sein, bei dem die „radikale Verdrängung der Religion aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens“, der „Ausschluss der religiösen Vereinigungen bei der Bewältigung öffentlich relevanter Aufgaben“ und der „Entzug ihres Rechtes auf Bewertung der Tätigkeit der Staatsgewalt“ als Norm gelten.
Die Lage der Kirche im säkularen Staat wird im Dokument in folgender Weise dargelegt: „Die Kirche darf nicht Funktionen an sich ziehen, die zum Zuständigkeitsbereich des Staates gehören, wie etwa: gewaltsamen Widerstand gegen die Sünde, Inanspruchnahme staatlicher Vollmachten, Übernahme von Funktionen der Staatsgewalt, die Zwang oder Einschränkung beinhalten. Allerdings darf die Kirche die Staatsmacht bitten oder gar auffordern, in bestimmten Fällen ihre Macht einzusetzen; das Recht zur Entscheidung in dieser Frage bleibt jedoch dem Staat vorbehalten.“ Seinerseits jedoch „darf sich der Staat nicht in das Leben der Kirche, in ihre Verwaltung, ihren Gottesdienst, ihre geistliche Praxis usf. einmischen, wie auch grundsätzlich in die Tätigkeit der kanonischen kirchlichen Einrichtungen“ – mit Ausnahme natürlich jener Seiten ihrer Tätigkeit, die den Status einer juristischen Person voraussetzen, die bürgerliche Rechtsbeziehungen aufnimmt. Die Grenzen der Loyalität der Kirche gegenüber der Staatsgewalt sind durch das göttliche Gebot festgelegt, die Wahrheit Christi zu verkünden und das Werk des Heiles der Menschen unter beliebigen Bedingungen, in beliebigen Umständen zu erfüllen. Wie lesen im Dokument: „ Wenn die staatliche Macht die orthodoxen Gläubigen zur Abkehr von Christus und Seiner Kirche sowie zu sündhaften, der Seele abträglichen Taten nötigt, so ist die Kirche gehalten, dem Staat den Gehorsam zu verweigern.... Sollte die Unterordnung unter staatliche Gesetze und Verfügungen der Staatsmacht von Seiten der Fülle der Kirche unmöglich sein, ist die Kirchenleitung nach der erforderlichen Prüfung der Frage berechtigt, folgende Maßnahmen zu ergreifen: Aufnahme eines direkten Dialogs mit der Staatsgewalt über das aufgekommene Problem, Aufruf an das Volk, die Mechanismen der Volksherrschaft zur Änderung der Gesetzgebung sowie zur Revision der Entscheidungen der Staatsgewalt anzuwenden, Appell an die internationalen Institutionen sowie die internationale öffentliche Meinung, Appell an ihre Kinder, gewaltlosen zivilen Widerstand zu leisten.“
Die Kirche muss den Staat auf die Unzulässigkeit der Verbreitung von Überzeugungen und Handlungen hinweisen, die zur Errichtung einer allseitigen Kontrolle des Lebens der Person, ihrer Überzeugungen und Beziehungen zu anderen Menschen, zur Zerstörung der persönlichen, familiären oder gesellschaftlichen Sittlichkeit, zur Beleidigung religiöser Gefühle und zur Schädigung der Eigenständigkeit des Volkes oder zur Bedrohung des heiligen Geschenkes des Lebens führen. Im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen der Kirche und den politischen Kräften erhebt sich die wichtige Frage der Prinzipien der Gestaltung der Politik in den verschiedenen Sphären der menschlichen Tätigkeit. Diese Frage hat im Abschnitt „Kirche und Politik“ ihren Niederschlag gefunden, wo darauf hingewiesen wird, dass der Aufruf zu Frieden und Zusammenarbeit von Menschen mit verschiedenen politischen Anschauungen eine Aufgabe der Kirche „im Angesicht der politischen Meinungsverschiedenheiten, Widersprüche und Kämpfe“ bleibt. Die Kirche „duldet auch verschiedene politische Überzeugungen in der Mitte des Episkopats, des Klerus sowie der Laien, mit Ausnahme solcher, die offensichtlich zu Taten führen, die der orthodoxen Glaubenslehre und den moralischen Normen der kirchlichen Überlieferung widersprechen.“ Dabei ist „die Teilnahme der Kirchenleitung und der Geistlichen, folglich auch der Fülle der Kirche, an der Tätigkeit politischer Organisationen, an Wahlaktionen wie etwa öffentlicher Unterstützung an Wahlen beteiligter politischer Gruppierungen oder einzelner Kandidaten an Wahlkampfwerbung usw. untersagt“.
Das bedeutet jedoch nicht den Verzicht der Kirche auf „öffentliche Stellungnahmen zu gesellschaftlich bedeutsamen Fragen und auf Vertretung ihrer Position vor den Staatsorganen des jeweiligen Landes auf der jeweiligen Ebene. Diese Stellungnahmen werden ausschließlich durch die kirchlichen Konzilien, die Kirchenleitung sowie die von ihnen bevollmächtigten Personen vorgebracht. Das Recht auf Äußerung solcher Positionen kann nicht an staatliche Organe, an politische oder auch andere weltliche Organisationen delegiert werden.“
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgt die Kirche die gegenwärtige Gründung orthodoxer Parteien und gesellschaftlich-politischer Bewegungen. Es ist eine unzutreffende Auffassung, dass die kirchliche Hierarchie derartige Initiativen unterdrücken müsse. Denn die Kinder der Kirche sind von Geburt an mit der Freiheit der Wahl und der Äußerung ihrer Überzeugungen und ihrer Realisierung im Rahmen gesellschaftlicher Tätigkeit ausgestattet.
Die Teilnahme orthodoxer Laien an der Arbeit der Organe der Legislative, Exekutive und Judikatur und politischer Organisationen ist nicht nur nicht untersagt, sondern ist sogar eine Form der Mission der Kirche in der Gesellschaft, „wenn sie im .Einklang mit der Glaubenslehre der Kirche, ihren moralischen Normen und ihrer offiziellen Position in gesellschaftlichen Fragen geschieht“. Die Laien sind in Erfüllung ihrer Bürgerpflicht berechtigt und berufen, an politischen Prozessen teilzunehmen und an beliebigen moralisch einwandfreien Aktionen des Staates mitzuwirken. Gleichzeitig können die Gläubigen, die individuell oder im Rahmen verschiedener Organisationen an staatlicher oder politischer Tätigkeit teilnehmen, das nur unter der Bedingung tun, dass sie ihre politische Arbeit nicht mit der Position der Fülle der Kirche oder irgendwelcher kirchlicher Einrichtungen identifizieren, als würden sie in ihrem Namen auftreten. In den Grundlagen der Sozialkonzeption wird die Einschränkung gemacht, dass „die höchste kirchliche Gewalt der politischen Betätigung der Laien keinen speziellen Segen erteilt“. Dennoch werden die orthodoxen politischen Laienorganisationen, die sich bemühen, ihre politische und staatliche Tätigkeit auf Grundlage der Prinzipien der christlichen Spiritualität und Moral zu verwirklichen, „aufgerufen, die Kirchenleitung zu Rate zu ziehen und ihre Aktivitäten im Bereich der Realisierung kirchlicher Positionen bezüglich gesellschaftlicher Fragen mit ihr abzustimmen“. Wenn jedoch Organisationen, an deren Tätigkeit orthodoxe Laien teilnehmen, oder einzelne orthodoxe Politiker und im staatlichen Bereich Tätige mit der allgemein kirchlichen Position in gesellschaftlichen Fragen wesentlich differieren oder sich der Realisierung einer solchen Position sogar widersetzen, veröffentlicht die Kirchenleitung eine entsprechende Erklärung zur Vermeidung von Missverständnissen zwischen den Gläubigen und breiten Gesellschaftsschichten.
Im Abschnitt „Eigentum“ sagte sich die Russische Orthodoxe Kirche entschieden von ihr aufgezwungenen Diskussionen über „mehr oder weniger christliche“ Eigentumsformen los, unter denen verschiedene weltliche Kräfte bald die private, bald die kollektive und bald die gesellschaftliche Eigentumsform verstehen. Gemäß den Grundlagen der Sozialkonzeption „erkennt die Kirche die Existenz zahlreicher Eigentumsformen an. Die staatliche, öffentliche, körperschaftliche, private und gemischte Eigentumsform sind in den einzelnen Ländern auf unterschiedliche Art und Weise im Verlauf der historischen Entwicklung verankert worden. Aus Sicht der Kirche ist keine dieser Formen zu bevorzugen. Jede von ihnen kann ebenso sündhaften Erscheinungen wie Diebstahl, Habgier und ungerechter Verteilung der Früchte der Arbeit zugrunde liegen wie auch als Voraussetzung einer würdigen, moralisch begründeten Nutzung der materiellen Güter dienen.“
In der Auseinandersetzung mit dem heutigen Feminismus legt das Dokument die orthodoxe Position zum Problem der sozialen Rolle der Geschlechter und ihrer Gleichberechtigung dar (Abschnitt „Fragen der persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Sittlichkeit“ ). So heißt es in den Grundlagen der Sozialkonzeption: „Während die Kirche die gesellschaftliche Rolle der Frau würdigt und ihre politische, kulturelle und soziale Gleichstellung mit den Männern begrüßt, wendet sie sich zugleich auch gegen Tendenzen der Abwertung der Rolle der Frau als Gattin und Mutter. Die fundamentale Gleichheit der Würde der Geschlechter hebt die natürlichen Unterschiede zwischen ihnen nicht auf und beinhaltet nicht die Gleichheit der Berufung in Familie und Gesellschaft...
Die Vertreter gewisser gesellschaftlicher Strömungen neigen dazu, der Ehe sowie dem Institut der Familie die gebührende Wertschätzung abzusprechen oder diese gar vollständig zu leugnen, indem sie der gesellschaftlich bedeutsamen Arbeit der Frau, einschließlich solcher Arbeiten, die mit der weiblichen Natur kaum oder gar nicht vereinbar sind (z.Bsp. einige schwere körperlichen Arbeiten) den Vorrang einräumen. Nicht selten wird einer künstlichen Angleichung der Beteiligung von Frauen und Männern an jeden Bereich menschlicher Tätigkeit das Wort geredet. Die Kirche sieht die Bestimmung der Frau weder in der unreflektierten Nachahmung des Mannes noch im Wetteifer mit ihm, sondern in der Entfaltung aller ihr von Gott gegebenen Fähigkeiten... Das Streben danach, die natürlichen Unterschiede im gesellschaftlichen Bereich nicht gelten zu lassen bzw. auf ein Minimum zu reduzieren, ist dem kirchlichen Verständnis fremd.“
Speziell muss man den Fragenbereich behandeln, den man mit dem Begriff „Bioethik“ zusammenfasst. Diese Probleme sind die schwierigsten für die theologische Interpretation. Denn neue biomedizinische Technologien rufen bisweilen ethische und rechtliche Kollisionen hervor, an die man zu Zeiten der Ökumenischen Konzilien nicht einmal denken konnte.
Als Antwort auf die Herausforderung unserer Zeit formulierte die Russische Orthodoxe Kirche in den Grundlagen der Sozialkonzeption (im Abschnitt „Fragen der Bioethik“ ) eine umfassende, durchdachte und theologisch fundierte Position zu einer ganzen Reihe von Fragen, die heute eine immer steigende Aufmerksamkeit der Gesellschaft erregen; dabei stützte sich die Russische Orthodoxe Kirche kreativ auf die für uns heiligen Normen der Tradition und wandte sie auf die heutige Realität an.
Im Hinblick auf Probleme wie Abtreibung und Homosexualität war es bloß erforderlich, die unveränderliche Lehre der Kirche zu bezeugen, die in der Tradition ihren Ausdruck gefunden hat. Im Abschnitt „Fragen der Bioethik“ wird die Abtreibung verurteilt, es wird über die Sündhaftigkeit homosexueller Geschlechtsbeziehungen gesprochen, und es ist die Überzeugung ausgedrückt, dass „Personen, die eine homosexuelle Lebensführung propagieren, keinerlei Berechtigung erhalten, sich auf den Gebieten der Bildung, der Erziehung und sonstiger Arbeit mit Kindern und Jugendlichen beruflich zu betätigen.“ Demgegenüber mussten viele andere, völlig neue Herausforderungen, die sich durch die stürmische Entwicklung der biomedizinischen Technologien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gestellt hatten, im Lichte jener Vorstellungen vom menschlichen Leben und der Würde der menschlichen Person, die in der Göttlichen Offenbarung verwurzelt sind, neu beacht werden.
Im Besonderen wurden die moralischen Aspekte der Anwendung neuer Reproduktionstechnologien einschließlich der künstlichen und extrakorporalen Befruchtung, die Spendung von Geschlechtszellen und die Leihmutterschaft beurteilt. Ein großer Teil davon (mit Ausnahme der künstlichen Befruchtung unter Verwendung von Samenzellen des Mannes) kann von der Kirche nicht gutgeheißen werden, die ja berufen ist, die Würde der Person und die Integrität der ehelichen Beziehungen zu verteidigen.
Es wurden sowohl die positiven wie auch die negativen, für das Individuum und die Gesellschaft gefährlichen Seiten der Entwicklung der gen-medizinischen Methoden der Diagnostik und Behandlung, der genetischen Identifikation und der pränatalen Diagnostik geprüft. Die grundlegenden Aussagen sind folgende: „Die Kirche begrüßt die Bemühungen der Ärzte um eine Überwindung der Erbkrankheiten. Zugleich darf das Ziel eines genetischen Eingriffs jedoch nicht in der künstlichen ‚Vervollkommnung' des Menschengeschlechts oder in einer Änderung des Ratschlusses Gottes über den Menschen liegen... Deshalb dürfen die genetische Identifikation sowie die genetische Testierung nur in Übereinstimmung mit der Achtung der Freiheit der Person durchgeführt werden... Die pränatale Diagnostik gilt als moralisch gerechtfertigt, wenn sie auf die Heilung der entdeckten Krankheiten in möglichst frühen Stadien oder auf die Vorbereitung der Eltern auf eine situationsgerechte Pflege des kranken Kindes ausgerichtet ist. Das Recht auf Leben, Liebe und Fürsorge kommt jedem Menschen zu, unabhängig von der Art der Erkrankung“.
Auch auf das gefahrvolle Unterfangen des Klonens von menschlichen Wesen wird eine kirchliche Antwort gegeben. Diese Idee ist „zweifellos eine Anmaßung gegenüber der Natur des Menschen und seiner ihm eingeschriebenen Gottebenbildlichkeit, deren unveräußerliche Bestandteile Freiheit und Einzigartigkeit der Person sind“. In Zusammenhang mit der stets steigenden Anwendung der Transplantation von Geweben und Organen des Menschen werden vom Standpunkt der Kirche aus wichtige Bedingungen für die moralische Zulässigkeit solcher Eingriffe genannt: das freiwillige, zu Lebzeiten ausgedrückte Einverständnis des Spenders und die Unzulässigkeit der Verkürzung des Lebens eines Menschen um der Verlängerung des Lebens eines anderen willen. Unbedingt abzulehnen ist die sogenannte Fötaltherapie, d.h. die Verwendung von Geweben und Organen von abgetriebenen menschlichen Föten. Auch die Fragen der heutigen Reanimatologie und Sterbehilfe wurden geprüft. Dabei wurde die eindeutige Position der Kirche hinsichtlich der Unzulässigkeit der sogenannten Euthanasie formuliert, d.h. der Tötung hoffnungslos Kranker selbst auf ihren Wunsch hin.
Im Zusammenhang mit der Zunahme von Eingriffen zur Geschlechtsumwandlung wird gesagt, dass die Kirche eine tatsächlich künstlich geänderte Geschlechtszugehörigkeit nicht anerkennen kann. Im Dokument heißt es: „Wenn die ‚Geschlechtsumwandlung' einer Person vor ihrer Taufe vollzogen worden ist, so darf sie – jedem anderen Sünder gleich – zur Taufe zugelassen werden, jedoch wird sie von der Kirche als ihrem ursprünglich angeborenen Geschlecht zugehörig getauft. Die Priesterweihe sowie die kirchliche Trauung bleiben diesem Menschen verwehrt.“
Ich möchte unsere Aufmerksamkeit noch auf die Probleme der Globalisierung lenken, die einen immer wichtigeren Einfluss auf unser Leben ausübt. Der Abschnitt „Internationale Beziehungen. Probleme der Globalisierung und des Säkularismus“ behandelt einen ganzen Komplex von sehr wichtigen weltweiten Problemen. Vor allem wird darauf hingewiesen, dass sich die christliche Ethik nicht nur auf die Sphäre des persönlichen Lebens des Menschen erstreckt: „Das christliche Ideal des Verhaltens der Völker und Regierungen im Bereich der internationalen Beziehungen ist in der ‚Goldenen Regel' enthalten: ‚Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!' (Mt 7,12).“
Umfassend wird der Prozess der ökonomischen, politischen, Kultur- und Informationsglobalisierung geprüft. Als Basis für eine allgemein kirchliche Position in dieser Frage wird die Zusammenarbeit der Kirche mit den internationalen Organisationen (UN, EU, Europarat u.a.) ausgebaut. Einerseits muss man anerkennen, dass es sich dabei um einen unvermeidbaren Prozess handelt, der mit der Entwicklung des Marktes, der Informationstechnologien und Kommunikationsmittel verbunden ist. Andererseits ist die Kirche berufen, in dieser neuen Situation die Prinzipien einer ehrlichen, gerechten, einander achtenden und gleichberechtigten Zusammenarbeit zu verteidigen. Es ist unzulässig, dass durch die Globalisierung eine beschränkte Zahl von Menschen Weltmacht und Reichtum in ihren Händen konzentrieren. Es ist auch unzulässig, dass Völker, zu denen fast drei Viertel der Weltbevölkerung gehören, an den Rand der Weltzivilisation gedrängt werden.
Man muss besonders den Protest der Kirche gegen die „geistige und kulturelle Expansion und die verhängnisvolle totale Vereinheitlichung“ hervorheben. Wir fordern eine Weltordnung, „die auf den Prinzipien der Gerechtigkeit und der Gleichheit der Menschen vor Gott aufgebaut ist sowie die Unterwerfung ihres Willens unter nationale oder globale Zentren unterbindet, die politischen, wirtschaftlichen und informationellen Einfluss haben“.
Es scheint vielleicht jemandem, dass Säkularisierung, Globalisierung, internationale Politik und Politik nicht „unsere Sache“ seien und dass die Kirche sich in solche Prozesse nicht einmischen solle, um ihre „Jenseitigkeit“ zu bewahren. Aber gerade die Kirche ist für das Schicksal der ganzen Menschheit verantwortlich, gerade ihre Stimme muss als prophetische Stimme der Wahrheit Gottes ertönen, sonst erweist sie sich ihrer Berufung als untreu.
Daher hat die im letzten Absatz dieses Abschnitts ausgesprochene Beurteilung eine prinzipielle Bedeutung: „Das gegenwärtige internationale Rechtssystem beruht auf dem Vorrang der Interessen des irdischen Lebens des Menschen und der menschlichen Gemeinschaften vor den religiösen Werten (insbesondere in solchen Fällen, in denen erstere mit letzteren in Konflikt geraten). Diese Vorrangstellung ist in der nationalen Gesetzgebung vieler Staaten verankert... Eine Anzahl einflussreicher öffentlicher Mechanismen bedient sich allerdings dieses Prinzips in offener Konfrontation mit dem Glauben und der Kirche mit dem Ziel, sie aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. Diese Erscheinungen schaffen das allgemeine Bild der Säkularisierung des Staats- und Gesellschaftslebens. Auch wenn die Kirche der weltanschaulichen Entscheidung nichtreligiöser Menschen sowie ihrem Recht auf Mitgestaltung der gesellschaftlichen Prozesse Achtung zollt, ist sie zugleich nicht in der Lage, eine Weltordnung gutzuheißen, die ihren Ausgang bei der durch die Sünde verdorbenen menschlichen Person nimmt. Namentlich aus diesem Grund richtet die Kirche – unter Beibehaltung der Offenheit zur Zusammenarbeit mit Menschen nichtreligiöser Überzeugung – ihre Bemühungen darauf, die christlichen Werte im Prozess der Entscheidungsfindung hinsichtlich der wichtigsten öffentlichen Angelegenheiten sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene geltend zu machen. Sie erstrebt die Anerkennung der Legitimität der religiösen Weltanschauung als Basis gesellschaftlich relevanter Handlungen (einschließlich solcher, die durch den Staat vorgenommen werden) sowie die Anerkennung als eines wesentlichen Faktors, der auf die Entwicklung (Veränderung) des Völkerrechts und der Tätigkeit internationaler Organisationen Einfluss nimmt.“
Dank der im Dokument angesprochenen aktuellen Probleme wurde ihm nicht nur in Russland Interesse entgegengebracht, sondern auch im Ausland, und zwar nicht nur in religiösen Kreisen, sondern auch in der weltlichen Gesellschaft. Wir erörterten das vorliegende Dokument in verschiedenen Diözesen unserer Kirche, im Parlament, bei öffentlichen Lesungen in verschiedenen Städten Russlands und anderer Länder der GUS. Wir hatten zahlreiche Möglichkeiten, einzelne Aussagen des Dokuments in den Massenmedien, bei Tagungen und persönlichen Begegnungen mit religiösen, politischen und gesellschaftlichen Persönlichkeiten bekannt zu machen und zu erklären.
Mit großer Genugtuung erfuhren wir in der Russischen Orthodoxen Kirche, dass das Dokument auch unter Christen anderer Konfessionen reges Interesse hervorrief. Das Dokument wurde in theologischen Gesprächen mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands und der Evangelischen Kirche in Deutschland, im Rahmen des Weltrates der Kirchen und der Konferenz Europäischer Kirchen und auf einer Tagung erörtert, die durch die Konrad-Adenauer Stiftung in Deutschland veranstaltet wurde.
Welches Ergebnis haben wir durch den Beschluss dieses Dokuments erreicht? Welchen Beitrag leistet es für das gegenwärtige Leben der Russischen Orthodoxen Kirche? Vor allem kann jetzt die kirchliche Hierarchie auf allen Ebenen auf dem Fundament eines konzeptuellen Zuganges zahlreiche Einzelfragen klären. Das Dokument konstatiert eine Reihe konkreter Normen und Prinzipien und wird zu einer verbindlichen praktischen Handreichung für Bischöfe, Priester und Laien. Das erlaubt den Gliedern der Kirche, eine tatsächlich einheitliche und durchdachte Position im Dialog mit der Staatsmacht und der Gesellschaft einzunehmen. Und den „Außenstehenden“, d.h. der säkularen Gesellschaft, gibt das Dokument der Synode eine klare Vorstellung davon, was die Meinung der Kirche in den gewichtigen Problemen der Gegenwart ist. Nach Maßgabe der Veränderung des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens, nach Maßgabe des Erscheinens neuer Probleme und Herausforderungen, die eine Antwort der Kirche erfordern, wird sich die Soziallehre unserer Kirche unzweifelhaft weiter entwickeln und vervollkommnen, weswegen das von der Synode beschlossene Dokument auch die Bezeichnung „Grundlagen“ trägt.
In vielem hängt die Zukunft der Kirche davon ab, ob wir die aus dem Glauben entstandene Lebenssicht in gesellschaftlich bedeutsamen Werken und in überzeugenden Antworten auf die Probleme der Gegenwart umsetzen können, davon, ob wir den Menschen beim Finden der richtigen Lebensprioritäten und im Beschreiten eines echt christlichen Weges helfen können. Ich glaube, der Herr wird uns unterweisen und führen und so das Werk des Heiles auch durch unsere bescheidenen Anstrengungen vollenden.
Übersetzung aus dem Russischen: DDr. Johann Krammer
(Deutsche Zitate aus den „Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“ wurden weitgehend – manchmal mit leichten Abänderungen - aus folgendem Werk übernommen: Die Grundlagen der Sozialdoktrin der Russisch-Orthodoxen Kirche. Deutsche Übersetzung mit Einführung und Kommentar. Herausgegeben von Josef Thesing und Rudolf Uertz. Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Sankt Augustin 2001)
Empfang in der Russische orthodoxe Kathedrale zum Hl. Nikolaus in Wien
Am 30. Oktober 2003 besuchten auf Einladung des Vertreters der Russisch-Orthodoxen Kirche bei der EU, des Bischofs von Wien und Österreich, Hilarion, die Vertreter der Christlichen Kirchen und Gemeinden die Kathedrale zum Hl. Nikolaus in Wien (Jaurèsgasse 2).
Am Empfang nahmen teil: Seine Eminenz der Metropolit von Austria, Exarch von Ungarn und Westeuropa Dr. Michail Staikos; in Vertretung des Pirmas von Ungarn, Erzbischof DDr. Peter Erdö Prälat Dr. Eörs Csordas vom Pazmaneum in Wien; Frau Oberin Professor Christine Gleixner vom Ökumenischen Rat der Kirchen Österreichs; der Superintendent der Evangelischen Kirche AB Magister Werner Horn; der Bischof der Altkatholischen Kirche Österreichs Bernhard Heitz; Hochw. Prälat, der Abt des Stiftes Heiligenkreuz Gregor Henckel-Donnersmarck; Kanonikus Patrick Curran von der Anglikanischen Kirche Österreichs; der Superintendent der Methodistenkirche Österreichs Lothar Pöll; Frau Maria Anna Mayr-Melnhof Mitglied des Kuratoriums von Pro Oriente; der Präsident von Pro Oriente Dr. Johann Marte und andere Mitglieder von Pro Oriente; Vertreter der Caritas Österreich; die Vertreter aller orthodoxen Kirchen in Österreich; Vertreter der altorientalischen Kirchen; von der Österreichischen Gesellschaft für Kirchenrecht: Ord.Univ.Prof. Dr. Richard Potz; Frau Dr. Brigitte Schinkele; Dr. René Kuppe und andere.
Im Verlauf des Empfanges hielt Bischof Hilarion eine kurze Ansprache an die Gäste, deren Text nachstehend angeführt ist.
Grußwort des Vertreters der Russischen Orthodoxen Kirche bei der EU, des Bischofs Hilarion von Wien und Österreich, beim Empfang in der Kathedrale zum hl. Nikolaus in Wien am 30. Oktober 2003
Eminenzen, Exzellenzen, verehrte Gäste!
Ich begrüße Sie herzlich in den Räumlichkeiten der Kathedrale zum hl. Nikolaus, der Kathedralkirche der Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche von Wien und Österreich.
Wien ist die Hauptstadt eines Landes, in dem die überwältigende Mehrheit der Gläubigen der Katholischen Kirche angehört. Dennoch war Österreich immer für seine ökumenischen Traditionen berühmt; hier wirken auch die anderen christlichen Gemeinden ungehindert und in enger Zusammenarbeit. Die Teilnahme von hohen Vertretern der Katholiken, Orthodoxen und Protestanten am heutigen Empfang ist der sichtbare Ausdruck dieser Einheit und der brüderlichen Zusammenarbeit.
Die russische Orthodoxie ist auf österreichischem Boden schon mehr als 250 Jahre heimisch. Die ersten Priester aus Russland kamen in der Mitte des XVIII. Jahrhunderts nach Wien; anfangs verrichteten sie ihren Dienst in Räumlichkeiten, die der Russischen Botschaft gehörten. Gegen Ende des XIX. Jahrhunderts wurde auf dem Territorium der Botschaft diese mächtige Kirche gebaut, die bis heute eine Zierde der österreichischen Hauptstadt ist. Zurzeit werden an der Kirche weitläufige Restaurationsarbeiten begonnen, deren Ziel eine völlige Erneuerung der Kirche sowohl außen als auch innen ist.
Die Russische Orthodoxe Kirche ist nicht nur die Kirche Russlands: zu ihr gehört die Mehrzahl der Gläubigen in der Ukraine, der Belarus, Moldovas, der Baltischen Länder und der Staaten Mittelasiens. Deshalb haben wir unter unseren Gläubigen Vertreter der verschiedensten Nationalitäten. Den Gottesdienst am Sonntag besuchen 200 bis 300 Personen, an großen Feiertagen kommen fast 1000 Gläubige, und die Kirche kann alle, die sie besuchen wollen, nicht fassen. Die Gottesdienste werden in kirchenslavischer und teilweise in deutscher Sprache gehalten. Es gibt eine Sonntagsschule für Kinder und katechetische Gespräche für Erwachsene.
Ich möchte Ihnen allen, liebe Gäste, bestätigen, dass unsere Kirche und unsere Diözese zur aktiven Zusammenarbeit mit den christlichen Gemeinden Österreichs bereit ist. Nur mit gemeinsamen Anstrengungen können wir den Anforderungen der heutigen säkularen Gesellschaft widerstehen, in der eine sehr schnelle Abkehr von den sittlichen und geistigen Idealen des Christentums vor sich geht.
Gestatten Sie mir, Sie alle, liebe Gäste, noch einmal in diesem Gotteshaus zu begrüßen und Ihnen gute Gesundheit, ein langes Leben und die unerschöpfliche Hilfe Gottes in Ihrer Arbeit zu wünschen.
Address by Archbishop Christodoulos of Athens and All Greece to the Eurodeputies, Brussels, October 8, 2003
Honourable Members of the European Parliament,
I thank you for the honour of inviting me to address you in this hall, one which realizes the visions of Adenauer, of Schuman, of de Gasperi, and of Monnet.
As one ponders history one feels awe at the courage and decisiveness of these great figures who were able to overcome stereotypes and century-long established perceptions. In their struggle they had faith and they had strength, and they struggled against the current. And with God's blessing they were able not only to lay the foundations of the union of Europe, but also of progress and of peace.
You recently celebrated the fiftieth anniversary of the founding of your party. As a result of your labours and your abilities the party has become a historic force. You worked hard and responsibly for the creation of a united Europe, and its people shall not forget your contribution in the future.
Of course you were not alone. Other parties also worked with comparable passion to achieve this union. I would say the fact that most parties worked with impressive solidarity to achieve the same aim constitutes an important and instructive historical event: the building of Europe.
The great esteem which I hold for your labours and their fruits determines the framework within which I will set forth the thoughts that follow. Allow me therefore to begin with an explanation regarding the reason and the manner by which the Church can make its voice heard in the political realm.
The views of the Orthodox Church regarding either the system of government or manner in which a people are governed are perforce limited. It always prays for peace, and it always helps the suffering and the weak. The Church also has a great concern for tradition and the values it embodies.
This is the reason for the Church's intercession: in order to ask that the strong lighten the weight that presses upon the weak.
There is however an additional reason. The Church feels that it is the ark of the spirit of its people. The ark of tradition, and the values it embodies. For this reason the Church will intervene to preserve the particular identity of its people, naturally without obstructing creativity and renovation. This has nothing to do with nationalism. It has everything to do with the aforementioned fact that Church is the ark of tradition and the values this embodies.
These are the reasons for which the Church of Greece feels the need to communicate with you about the Europe we are constructing.
The disagreement of the Church regarding aspects of the plan for a European constitution is widely known. I will not present here the views of the Church of Greece on this important subject. There exists a publication on the subject available to those of you who are interested. Allow me however to insist that the request for the inclusion in the preface of the constitution of a reference to Christianity as foundational in the European spirit is neither a demand for an auto da fe, nor for an enactment of faith, but of a rendering of honour due to history and to our civilization.
What the Church of Greece would like you, and all of the European commonwealth, to note is not what the constitution must include, but what kind of union we want to create. I must note that neither the Commission nor the European Parliament gives us the impression that they are very clear on this point.
It is not my place to criticize your admittedly difficult task. That which the Church demands is that the Union remain European, an expression of European Civilization. For a number of centuries we Europeans have agreed that Europe is not merely a geographic term, but a cultural reality, from which latter fact it derives geopolitical importance. If we do not take this realization into account then we are not creating Europe but a new entity, alien and possibly hostile to Europe and its civilization.
We understand that politics cannot be an echo of history, nor does it draw exclusively from the reality of the past. If that were the case we would have had Europe, but probably not the European Union. In fact a transcendence of history was necessary in order to achieve this union. It was necessary to seize the right historical moment so that the enlightened consciences of the European founding fathers could transcend the implacable reality of the World War and unite their powers in order to change the course of the history of the Europeans. It was necessary that the likes of Schumann and Adenauer intervene in order that a transcendence of the French-German hostility be achieved.
This transcendence was achieved however on the basis of foundational values of European consciousness: the foundational Christian rule of forgiveness and of love, as Schumann and Adenuaer themselves explained. It does not concern me to what degree these men were Christian, nor am I attempting to attribute their initiative to their religious conscience. I simply want to note that they succeeded in this transcendence on the basis of values drawn from their common culture. They did not act in a vacuum nor did they ignore history.
We owe the fact that we are here to these two personalities. Our debt however is not limited to these two figures; we would not be here, in this room, discussing this subject, if Europe did not have, above all, a common civilization, with common values.
In this spirit and context the Church of Greece demanded a reference to Christianity in the envisioned European constitution. And together with Christianity the Church asked for a reference to Greek paideia (learning and culture) and the Roman conception of civil justice. What the Church desires is a vindication of the founding ideas of the European Union, which only will come if it remains an expression and reaffirmation of European Civilization.
The demand for a reference to Christianity is not an act that aims to obstruct the secular state, but an act that desires to protect European consciousness.
The planned European constitution's failure to refer to the foundations of European consciousness represents in my view the first truly regrettable event in the history of the Union. We have seen not a few panic-ridden politicians who deny our common history, and who did not dare to speak on behalf of what should be obvious. We are witnessing an inconceivable paradox: the fear of the political leadership to state whom it represents.
The Church is cognizant of and recognizes the contribution of humanism, as well as of the great ideological currents that have played a role in the history of our peoples. Humanism and the political currents however are parts of the tripartite foundation of the European spirit.
Ultimately the constitution is not the main problem. What is infinitely more important is what you intend to do with the countries that desire to join the European Union but that are not part of our civilization and culture. If you establish a special relationship with such countries, that allows for the greatest degree of possible cooperation but that keeps them outside of the Union, you will demonstrate the wisdom reflected by our culture.
On the other hand, if you submit to transitory assessments, if you allow the European Union to fall prey to geopolitical expediencies, then you will lose sight of what is desirable. A union that would include the countries of the eastern and southern Mediterranean will constitute a historical joke. Who among us desires a political entity comparable to the erstwhile Soviet Union. Who among us did not see in its collapse something more than the fall of Communism? Who did not see in it the dissolution of a «union» of dissimilar cultures?
The Churches would have had nothing to fear if a policy aimed to incorporate alien cultures was unsuccessful. All European Churches are concerned that such a policy would have devastating consequences for the European spirit. Such a policy means that such a monstrous «union» would succeed only to the degree that it is able to eliminate ethnic and national identities. Such a policy succeeds only if a state named «European Union» functions as a «melting pot». Such a policy leads to the draining of the European spirit and using its corpse for the construction of a grey mass with the incoherent designation of a «multicultural union». If the European political leadership in fact desires this, why does it not have the courage to admit it and why does it persist in calling this union «European»?
I read carefully the principles of your party as these were expressed in the 14th Conference in Berlin in 2001. I saw with satisfaction that you share the basic assumptions I express hereby. I hope that you persuade the European Parliament in its entirety that its task is to protect the political leadership from hegemonic and imperial pretensions.
The Churches of Europe, and with them the Church of Greece, do not demand the imposition of Christianity, do not dispute whatever contributions were made by other religions, and indeed by different ideologies, and they are not attempting to designate the faith and the way of life of the citizens of Europe. They ask that the European not feel a stranger in his own home, and are acting to prevent the political assassination of the European spirit.
Surely the indifference shown by the political leadership towards European consciousness, or at least its inability to protect it, does not damage the Church. Indeed it designates it as the institution that preserves and sustains our civilization, the qualities that define our world. For the Church it is an honor to assume this duty. After all, it is not the first time that it has undertaken this task.
I ask myself however if the political leadership of Europe as a body realizes what will be the consequences of its alienation from the European soul.
Whatever the case, I am absolutely certain that the Churches of Europe will fulfil their duties. I do not know the ways each will choose, and to what degree they will cooperate with each other in order to succeed at their task. I can only tell you about the Church of Greece.
Our Church will be saddened that the Union's institutions will not desire or will not be able to see as their task to reinforce European self-consciousness, but it will by word and deed sustain the European identity of the Union.
Our Church already is studying the creation of a special entity that will concern itself with the European spirit and its inheritance. We shall cooperate as closely as possible with the other Churches and confessions of Europe. We will address the youth of Europe utilizing to the greatest possible extent the new communications techniques. I would want to have you support our work as individuals. There are many ways of support and cooperation. And I would be very pleased if each of you collaborated with the Church of his or her country, urging it to initiate programs that would sustain European cultural identity.
I hope that we call all to work together so that we can affirm that Europe is not just a space but a coherent civilization. To work in order to demonstrate to our youth that we lay aside even the most profitable of our interests in favour of our vision.
Source: The official web site of the Church of Greece
Is the Conflict of Civilizations Unavoidable?
Speech by the Representative of the Russian Orthodox Church to the European Institutions Bishop Hilarion of Vienna and Austria at the Seventh Dialogue between the Orthodox Church and Members of the European People's Party (Christian Democrats) and European Democrats ( Istanbul, October 17, 2003)
The Russian Orthodox Church takes great care to understand the problems of European integration. These problems are discussed in several official documents of the Moscow Patriarchate, particularly in a special statement concerning the work of the Convention ‘On the Future of Europe'. I will not speak of these documents today since they have been published and are rather well-known. However, I would like to discuss one of the fundamental ideas which recur in these documents: the concept of ‘multipolarity' and the world view that it stands for. What are the meaning and moral implications of this concept for us, the representatives of the Moscow Patriarchate?
Much is being written on the idea of a multipolar world. However, most writers who deal with this subject have political multipolarity in mind, for example the multipolarity which appeared in Europe after the First World War. The Westphalian model of nation-states did indeed establish a multipolar world, although this multipolarity existed only within the framework of Western European civilization and was founded upon the doctrine of national sovereignty and interests. After World War II the world became bipolar, built on the opposition of two ideologies: those of liberal democracy and communism. For the past twelve years the world has in fact become monopolar, since one of these ideologies has ceased to exist.
Does this mean that the domination of one ideology has been established in the world? Not at all. For besides political polarities there also exist polarities of civilization, the tension between which not only continues, but increases daily. The growth of Islamic fundamentalism over the past years is very much a reaction to the attempts at introducing liberal western standards of civilization into countries where the lifestyle does not correspond to them. All of this creates the foundations for the ‘conflict of civilizations', of which so much is spoken and written in our times. But just how unavoidable is this conflict?
In my opinion, the conflict of civilizations is inevitable when only one model of civilization is given the right to exist. When only the liberal standards according to which the Western world lives are regarded as legitimate, while other standards based on other world views are deprived of recognition, the threat of a further escalation of tensions between liberalism and traditionalism (not between liberalism and fundamentalism!) can be expected, with unpredictable consequences.
Here it is necessary to point out the decisive role of religion in the formation of social consciousness in many regions of the world, where the liberal model has not yet been confirmed as something without alternative. The religious factor undoubtedly plays a key role in many Islamic countries. However, the Christian, Judaic, Buddhist and other religious traditions also continue to exert tremendous influence on the societies of those countries in which they are dominant.
Beginning with the Age of Enlightenment, the idea of religion as a private matter without any kind of social expression was formed in the West. The essence of this concept can be summarized in the following: you can either believe or not believe in God, you can belong to a religion of your choice or you can belong to none at all. Your choice, however, should not influence your life in society and your actions should not and cannot be religiously motivated. An entire ideology was formed which attempted to banish religion from society and simply turn it into a personal, ‘private' matter of separate individuals.
It is dangerous indeed when religious values are placed at the foundations of a forcibly imposed ideology. But none the less dangerous is the exclusion of religion from the ideological foundation of society, since most religions, including Christianity, are characterized by an unequivocal missionary imperative which assumes the right to exert influence not just on individual persons, but also on social processes. Depriving religion of this right inevitably leads to confrontation between religious and secular standards, a situation just one step away from the ‘conflict between civilizations'.
This is why it is so important now in Europe to recognize the legacies of Christianity, Islam and Judaism, alongside with that of secular humanism, in the future Constitution as the foundations of European identity and civilization. Religious motivation and the religious understanding of values, rights, liberties, duties and responsibilities should not be excluded from the life of society. Only then will a multipolarity of civilizations be established in Europe, which the Russian Orthodox Church calls for in its official documents.
At present much is spoken about the ever-increasing role of Islam in Europe, but little attention is given to the contribution which Orthodox Christianity can make in the formation of European civilization and its cultural identity. This is because most people have become accustomed to think of Europe as a territory divided into Catholic and Protestant spheres of influence.
With the expansion of the European Union, which until now included only one Orthodox member country – Greece, the EU will soon overstep the boundaries of Western Europe, and other countries belonging to the Orthodox tradition will join. As part of western society, the Orthodox diasporas of these countries – particularly Cypriots, Romanians and Bulgarians, have already participated in the European process, and now integration will bring their home countries into the Union. It is important that people in the West realize that the Orthodox countries of Eastern Europe have a right to make their significant cultural contribution to the building of a common European home. The specifics of the Orthodox world view should be reflected in the European project - only then will it become attractive for the Eastern Christian world as well.
Some people may ask: ‘What relation does the Moscow Patriarchate have to the process of European integration if Russia is not a member of the European Union?' First of all, the Moscow Patriarchate is trans-national, and is not just the Church of Russia. Most Orthodox believers in the Republics of Moldova, Belarus, and Ukraine, in the Baltic States and in the countries of Central Asia belong to it. Secondly, as a result of several waves of emigration from Russia and other countries of the former Russian empire, parishes and entire dioceses of the Moscow Patriarchate were formed in Western Europe, which are now in the territory of the European Union. And with the joining of the Baltic countries to the EU the number of communities of the Moscow Patriarchate in its territory will significantly increase and will number in the many hundreds. We are concerned about the future of these communities and the place they will have in European society.
We are also concerned about the legal status of these communities in a united Europe. Thus, we support the efforts of the Patriarchate of Constantinople aimed at the regulation of the legal status of Orthodox Churches in the European Union. However, as Metropolitan Kirill of Smolensk and Kaliningrad, Chairman of the Department of External Church Relations of the Moscow Patriarchate, wrote in a letter to Metropolitan Meliton of Philadelphia, the Secretary of the Holy Synod of the Ecumenical Patriarchate, we ‘consider necessary the mentioning of, besides the Patriarchate of Constantinople, other Orthodox Churches represented in more than one member country of the European Union'. This comment was made in connection with point number seven of the final document project of our dialogue, which calls for the ‘development of a special status for the Ecumenical Patriarchate as a legal entity of European as well as international interest'.
Returning to the topic of the dialogue between civilizations, I would like to point out that such a dialogue is an internal challenge for Europe, and not simply an element of external politics. The union of countries becomes a true union only if each nation can find the fulfillment of its hopes in the new European identity. For this it is necessary that not only the political, cultural or linguistic traditions of each nation be considered for its inclusion into the common European home, but also its religious tradition.
The Moscow Patriarchate is ready to participate in securing a harmonious co-existence of different religions in Europe and the creation of laws involving the status of religious organizations. This area of cooperation can assume the participation of Orthodox Churches in the discussion of legislation of fundamental importance. The Moscow Patriarchate is truly interested in cooperating with the European Union in a concrete manner. For example, our representatives are ready to offer their expertise and consulting, which we hope to carry out in conjunction with the European Commission, the European Parliament and other institutions of the EU.
In doing so the role of the Church must not be limited to participating only in the discussion of problems related to international and inter-religious matters. Church representatives should also participate in developing a European system of security as well as in the discussion of social problems, ethics concerned with modern technologies, immigration, etc. For this it is necessary to give competent Orthodox Church representatives access to various committees and expert groups of the European Commission.
The European Constitution will obviously mention the creation of a system of consulting between religious organizations and the Institutes of the European Union. In its vision of this dialogue, the Moscow Patriarchate bases itself on the principle of subsidiarity, a concept deeply rooted in Christian tradition and community life. Moreover, the idea of subsidiarity is included in the founding documents of the European Union as one of the basic principles of the EU regulating the division of powers between various levels of authority.
With this in mind we can see that the bilateral dialogue between Churches (in close cooperation with their representatives) and the Institutes of the European Union are of fundamental importance and should be given priority, since the creation of communitarian law and its implementation in the EU member states concerns the spiritual and national identities of those who belong to these Churches. Thus, Church-State relations on the national level essentially continue in the same form at the European level. Inter-Orthodox, Inter-Christian and inter-religious cooperation is necessary, but it will be effective only if there are common goals which can be realized together.
In conclusion I would like to sincerely thank the Ecumenical Patriarchate for organizing the Seventh Dialogue between the Orthodox Church and members of the European People's Party (Christian Democrats) and European Democrats, and wish God's help to all the participants of this event. May the Lord bless our common labours for the good of a united Europe.
Message du patriarche Alexis de Moscou et de toute la Russie du 15 octobre 2003 au pape Jean-Paul II à l'occasion des 25 ans de son pontificat
En ces jours où l'Eglise catholique romaine fête les 25 ans de votre pontificat sur le siège de Rome, je vous prie de bien vouloir agréer mes salutations fraternelles et cordiales.
Le monde entier vous connaît comme chrétien dévoué, pasteur, évêque et primat de la plus grande Eglise chrétienne. Je prie afin que le Seigneur miséricordieux vous raffermisse dans votre ministère et accorde sa miséricorde à tous les enfants de votre Eglise. De toute mon âme je vous souhaite une bonne santé, la force du corps et de l'esprit et de très longues années.
Vladimir Poutine: Je dois respecter la position de l'Eglise orthodoxe russe
Le 20 septembre Vladimir Poutine, le Président de la Fédération de Russie, a donné un interview aux journalistes américains, publié par The Washington Post le 29 septembre. Nous un donnons un fragment d'après la version russe du site www.inopressa.ru
Le Pape de Rome a reçu les invitations de plusieurs chefs d'Etat des anciennes républiques soviétiques: N. Nazarbaev, L. Koutchma, des présidents de l'Arménie, de la Géorgie et de l'Azerbaïdjan. Pourquoi vous ne l'avez toujours pas invité? Ne pensez-vous pas de rater une occasion historique: la possibilité de contribuer au rapprochement des deux Eglises? Pour la Russie c'est si important de pouvoir réunir l'Orient et l'Occident.
Je suis entièrement d'accord avec vous. J'accepte tout ce que vous dites. Mais, malheureusement nous ne sommes ni la Géorgie, ni l'Azerbaïdjan, ni Kazakhstan. Je suis le chef de l'Etat russe. Dans mon pays, comme vous le savez, la religion principale est l'Eglise orthodoxe, le Patriarcat de Moscou. 90% des croyants sont orthodoxes. Tous nos citoyens ne sont pas croyants, mais parmi ces derniers les Orthodoxes sont majoritaires.
Nous sommes témoins de la renaissance religieuse en générale et de l'Orthodoxie en particulier dans notre pays. Bien que ce processus se soit ralenti depuis quelque temps, il se poursuit tout de même. Je pense que c'est bénéfique. Vous savez certainement que nous avons adopt é une loi sur les cultes. Il est contradictoire et suscite des débâts dans notre pays et dans l'opinion publique internationale. L'important c'est que nous en ayons une. Elle concerne spécialement quatre principales religions: le christianisme orthodoxe russe, l'islam, le judaïsme et le bouddhisme. Toutes les autres confessions possèdent les mêmes droits dans la vie et dans la législation, mais les quatre religions énoncées demeurent principales. Cela signifie notamment qu'elles sont les plus importantes en Russie et liées à notre histoire et à notre culture. Les autres religions ne doivent aucunement être discriminées, car elles possèdent les mêmes droits. L'Eglise orthodoxe russe est cependant majoritaire et je ne peux pas ne pas le prendre en considération.
Malheureusement on ne peut pas dire que les relations entre le Saint-Siège de Rome et l'Eglise orthodoxe russe soient idéales. Cela est lié à plusieurs facteurs. Le premier, le plus actuel, est que l'Eglise orthodoxe russe a été éprouvée par quelques pas durs de l'Eglise catholique en Ukraine, où certains fidèles ont été déracinés de leur Eglise mère. L'Eglise orthodoxe russe considère la politique extérieure du Saint-Siège quelque peu agressive et marquée par le prosélytisme. Elle lui reproche de vouloir pénétrer sur le territoire des autres confessions, en s'appuyant notamment sur ses moyens financiers.
Il existe, bien entendu, d'autres problèmes, je n'en ai mentionné que les plus important. Néanmoins, je pense que vous avez tout à fait raison: il serait juste que les deux Eglises sœurs, comme elles s'appellent toutes les deux, parviennent à surpasser les difficultés et les malentendus et à trouver un langage commun. Vous avez également raison de dire que ce serait un pas très important pour la Russie dans le sens de l'intégration de la société occidentale.
Je voudrais rappeler que le monde religieux occidental a également éprouvé quelques difficultés. Souvenons-nous de l'histoire des relations entre l'Eglise d'Angleterre et le Saint-Siège. La possibilit é pour les catholiques d 'ê tre implant é s sur les îles britanniques est finalement assez récente. La Russie ne fait que des premiers pas dans cette direction. Je souhaite que ces démarches soient plus rapides et efficaces. Je suis pourtant persuadé qu'elles doivent émaner des deux côtés.
J'ai de bonnes relations avec le Pape. Je l'ai rencontré dans plusieurs endroits, y compris à Rome. Nous avons évoqué le sujet sensible des relations entre le Saint-Siège et l'Eglise orthodoxe russe. C'est un homme fort intelligent qui comprend parfaitement la situation actuelle. Je lui ai dit que j'étais prêt à l'inviter comme un chef d'Etat. Savez-vous ce qu'il m'a répondu? «Regardez par la fenêtre. Vous pouvez voir tout mon Etat par la fenêtre». J'ai souligné que je ne pouvais lui proposer une visite élargie sans l'accord de l'Eglise orthodoxe russe et qu'il nous faudrait faire des efforts communs pour normaliser ces relations. Il le comprend. Mais je répète: je souhaite vraiment que cela se produise. J'en ai parlé avec les responsables de l'Eglise orthodoxe russe. Ils sont convaincus qu'il existe un certain nombre de questions à résoudre. Bien entendu, je dois respecter la position de l'Eglise orthodoxe russe.